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Warum es Begabung überhaupt gibt, warum also zur Vollführung einer Aufgabe nicht jeder gleich fähig ist, sondern nur einige, eben die Begabten, wie „gewachsen” für gewisse Aufgaben sind, ist im Grunde eine Frage der Biologie und bildet einen Teil des Variabilitätsproblems. Ist nun eine psychologische Lehre biologisch fundiert, so besitzt sie Angriffspunkte, von welchen aus die biologische Frage, wenn auch nur in ihrer Transposition ins Psychische, der Lösung näher gebracht werden kann. Auch die Sexualität muß vom biologischen Gesichtspunkte aus erforscht werden, doch durch den biologisch-psychologischen Grenzbegriff des Triebes und dessen psychologische Analyse gelang es Freud, tief in den Aufbau des Sexuallebens einzublicken.
Die Notwendigkeit der biologischen Orientierung in der Begabungsfrage wird schon dadurch fühlbar, daß es sich häufig um vererbbare Eigenschaften handelt. Aber eben hier wird auch die Berechtigung eines psychogenetischen Standpunktes mit Ermöglichung des analysierenden Verfahrens fühlbar. Denn kommen auch in derselben Familie mehrere Fälle von Begabungen vor, ist damit schon gesagt, daß es die „fertige” Begabung ist, welche „vererbt” oder wenigstens mitgebracht wird? Oft kommt es vor, daß sich in einer Familie nicht stets dieselbe Begabung wiederholt, sondern verschiedene Begabungsarten in Erscheinung treten, der eine ist Mathematiker, der andere Musiker, der dritte Maler. Unterscheiden wir hier, wie es in der Psychoanalyse auch sonst üblich ist, latente und manifeste Erscheinungsformen, so haben wir schon Raum gewonnen für die Verfolgung eines psychogenetischen Entfaltungsweges, von den latenten Grundlagen, die sich im Unbewußten des Subjektes objektiv verborgen auswirken, zu der manifesten, unter Aufsicht des Bewußtseins wirkenden, sich dem Außenstehenden in der Leistung kundgebenden Begabungsform.
Der Unterschied zwischen der normalpsychologischen Analyse und der psychoanalytischen Betrachtung der Begabung besteht im folgenden: Die normalpsych