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„Sie wünschten, daß ich über meine eigene Kindheit heute berichte. Ich will es gleich tun, aber zuvor noch eine Frage! Glauben Sie, daß, wenn ein Kind ohne Liebe erzogen wird, aber sonst alles aufs beste bekommt, was es zum Leben braucht, es sich charakterlich und körperlich schlecht entwickelt? Ich kam deshalb auf diese Frage, weil ich oft meine, ich wäre von den Eltern lieblos behandelt worden und es hätte niemand mit mir ein gutes Wort gesprochen. Ich erinnere mich kaum an freundliche Worte von Vater und Mutter. Von meiner Kindheit weiß ich überhaupt sehr wenig, nichts, was mit dem sexuellen Problem zusammenhängt; es ist mir auch völlig unverständlich, wie es bei mir gelingen sollte, Erinnerungen wachzurufen. Soviel ich weiß, wird bei der Psychoanalyse der Versuch gemacht, die Wirkung frühester Kindheitserlebnisse für die Art des Denkens, des Fühlens und Handelns des Erwachsenen verantwortlich zu machen. Der analytische Prozeß soll, wie ich höre, die Wirkung nachträglich so abändern, daß der Erwachsene selbständiger und reifer werde. Was geschieht mit denen, die keine Erinnerung haben? Ich weiß aus dem 3. Lebensjahr nur, daß ich wegen Hustens einmal krank im Bett lag, die Mutter mir Zwieback reichte und auf dem Tisch des Zimmers ein Glas mit Arznei stand. Vom 5. Lebensjahre weiß ich auch etwas: Ich gehe mit meinem Vater an einem schönen Sommertag spazieren; er tadelt mich, weil ich ohne Grund weine; wir wollten für die Mutter Blumen suchen; sie war zu Hause geblieben, um das neugeborene Schwesterchen zu hüten.”
Ihre erste Frage über die Wirkung der Liebe in der Erziehung werde ich Ihnen später beantworten. Es ist natürlich kein Zufall, daß Sie gerade diese Frage