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Fassen wir die gewöhnlichen Träume Erwachsener ins Auge, dann stehen wir vor der Frage, wie es möglich ist, daß zusammenhängende Gedankengebäude und Neigungen durch den Traum in so wunderlicher Weise wiedergegeben werden. Regelmäßig deutlich ist im Traum der Erwachsenen der Traum-Anlaß. Dies
ist ein Ereignis oder ein Gedanke, der jenem Tag angehört, der der Traumnacht vorhergeht. Die meisten Träume sind entstellte Bilder. Der seelische Vorgang, der ihnen zugrunde liegt, hätte ursprünglich ganz anderen Ausdruck in Worten finden sollen. Der geoffenbarte Trauminhalt ist der entstellte Ersatz für die unbewußten Traumgedanken; das Entstellte ist das Werk von abwehrenden Kräften des Ich, Widerständen, die den verdrängten Wünschen des Unbewußten den Zugang zum Bewußtsein im Wachleben überhaupt verwehren. Sie sind im herabsetzenden Schlafzustand wenigstens noch so stark, daß sie ihnen eine verhüllende Vermummung aufnötigen. Die Traumarbeit übersetzt die Traumgedanken in eine einfache, der Bilderschrift ähnliche Ausdrucksweise. Die Ordnung der Traumgedanken ist eine ganz andere wie die von uns am offenkundigen Trauminhalt erinnerte. Der Zusammenhang der Traumgedanken ist aufgegeben; er kann dann entweder überhaupt verloren bleiben oder durch den neuen Zusammenhang des Trauminhalts ersetzt werden. Es treten verdichtete Traumgedanken auf, die im Traumleben wunderliche Mischgebilde, aus allen möglichen Merkmalen zusammengesetzt, darstellen und mit den aus der Sagenkunde bekannten Centauren, Faunen, Sphinxen zu vergleichen sind. Die Verschiebung und Verdichtung ist in den meisten Träumen am wirksamsten, oft sogar bis zur Unkenntlichkeit und Sinnlosigkeit, besonders dann, wenn das sittenrichtende Gewissen die verborgensten Wünsche selbst im Schlafzustand unterdrückt. In jedem Traumbild stecken eine Reihe von Regungen, die verdrängt wurden, so daß jedes Traumbild überbestimmt, fast immer das Ergebnis einer Verdichtung ist. Die seele