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Die Individualpsychologie ist an den Namen Alfred Adler geknüpft. Adler war einer der ersten Schüler Freuds. Seine bedeutungsvollen Studien über „Organminderwertigkeit” und über Kompensationsvorgänge führten ihn dazu, ein eigenes psychologisches System und eine entsprechende Theorie der Neurosen aufzubauen. Damit trennte er sich von Freud und der Psychoanalyse. Die vorliegende Schrift sucht Theorie und Erfahrungen der Adlerschen Schule den Pädagogen in einfacher und leicht verständlicher Form nahe zu bringen. Dies ist besonders den praktischen Beiträgen, in erster Linie denen von Fritz und Ruth Künkel, gelungen. Die theoretischen Grundlegungen sind sehr vorsichtig gehalten und geben Adler nur in verdünnter Form wieder. Nach der Einleitung zu schließen, dürfte die Meinung der Verfasser die sein, daß die Freudschen Entdeckungen erst auf dem Umwege über Adler pädagogisch verwertbar geworden seien: „Pädagogische Folgerungen aus der psychoanalytischen Grundkonzeption waren nur möglich unter völliger Ausschaltung der theoretischen Formulierung dieser Konzeption durch Freud und seine Schule. So haben z. B. die Feststellungen, die Freud theoretisch unter dem Namen „Ödipuskomplex” zusammenfaßte, auf pädagogisch wichtige Erscheinungen aufmerksam gemacht, aber die unlösbare, wenn auch logisch geniale Verbindung dieser Feststellungen mit der gesamten „Sexualtheorie” Freuds hat jede pädagogische Auswertung unmöglich gemacht. Erst durch Adler wurden die Beobachtungen über die ‚kindliche Situation’ der pädagogischen Theorie und Praxis zugänglich.” (Seite 5.)
Abgesehen davon, daß diese Behauptungen mit den Tatsachen keineswegs übereinstimmen, so ist es auch sonst unerklärlich, wieso „pädagogisch wichtige Erscheinungen”, wenn sie in einer Theorie einen Unterbau erfahren haben, einer pädagogischen Auswertung nicht mehr fähig sein sollen. Es kommt doch in erster Linie darauf an, ob diese Feststellungen richtige, jederzeit nachkontrollierbare Erfahrungen bedeuten und ob die Theorie den