You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Vor hundert Jahren starb Heinrich Pestalozzi. Seinen Lebensabend verbrachte er einsam auf dem Neuhof, nachdem seine Unternehmungen gescheitert waren. Was ihn überlebte, das waren seine Schriften mit seinen Ideen und Hunderte von Jüngern, die in lebendiger Verbindung mit dem Meister gestanden hatten und für die Verwirklichung seiner Pläne arbeiteten. Das 19. Jahrhundert rühmt sich, sein Testament vollstreckt zu haben. In den gegenwärtigen Jahrhundertfeiern wird man gerne die heutige pädagogische Wirklichkeit mit Pestalozzis Sehnsucht vergleichen und ihre Erfüllung betonen. Hat es da noch einen Sinn, anders von seiner Zukunftsbedeutung zu reden, als den Wunsch auszusprechen, man möge auch fernerhin ebenso treu zu Pestalozzi halten wie die Vergangenheit? Demgegenüber wollen wir aber nicht vergessen, daß die Wegbereitung durch das Genie und das Begehen des Weges durch den Erfüller weit voneinander abweichen können. Das Genie vermag zu den Grundlagen vorzudringen und entwickelt von hier aus seine Ansichten und Forderungen. Die Praxis dagegen bleibt oft gerne an der Oberfläche, sie glaubt, bestimmte Ideen zu verwirklichen, während sie tatsächlich nur eine Leistung vollbringt, die persönlichen Wünschen entstammt und jeweiligen inneren und äußeren Möglichkeiten enspricht. So bleibt nur ein loser Zusammenhang mit dem Urbild. Die Beziehung zu den Fundamenten geht verloren und damit auch der Geist, der das Ganze schafft und das Einzelne lebendig erhält. Auch der Pestalozzi-Verlag glaubt dem Meister zu dienen, wenn er Pestalozzi-Bleistifte und eine papierene Welt in Bildern zum Kaufe bringt.
Schon ein Vergleich der geistigen Umgebung, aus der heraus Pestalozzi wirkte, mit den Zeitströmungen der jüngeren Vergangenheit dürfte darauf schließen lassen, daß sich die heutige Volksbildung nicht ohne weiteres von Pestalozzi herleiten läßt. Gewiß ist das Genie in erster Linie aus seiner genialen Veranlagung und aus seiner Grundeinstellung zum Leben heraus zu verstehen. Aber ein Zusammenh