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Wenige Jahre vor seinem Tode — im hohen Greisenalter — nach der Katastrophe von Yverdon, der vierten seines pädagogischen Wirkens, erkennt Pestalozzi, dieses überschauend, daß er zwar immer das gleiche große Ziel verfolgt, aber immer in den Mitteln geirrt habe, mit denen er es zu erreichen hoffte. Dieser Irrtum des Pestalozzi ist von beträchtlichem historischem Interesse, ihm allein ist es zu danken, daß Pestalozzis Name mit der Geschichte der Volksschule, als ihrem Gründer, verknüpft wurde. Pestalozzi hat beinahe nichts von dem gewollt, was als Methode oder Organisationsform seine „Schöpfung” heute (oder gestern) charakterisiert. Er war durchaus und sein Leben lang ein leidenschaftlicher Gegner und Bekämpfer von beinahe allem, was Volksschule heißt, deren Gründer er doch geworden ist. Es handelt sich aber nicht etwa darum, daß eine geniale Konzeption von Schülern und Nachfolgern verdorben wurde, dies wäre eine wenig verwunderliche Erscheinung, sondern es ist ein durchaus anderes, grundsätzlich konträres Gebilde, das als Verwirklichung der Pestalozzischen Ideale hingestellt wurde. Und das psychologische Interesse erweckt der Umstand, daß Pestalozzi an diesem Wechselbalg nicht unschuldig ist. Er hatte sich geirrt. Diesem Irrtum entstammt alles Wesentliche der Unterrichtslehre, der Didaktik, also der größte Teil heutiger Pädagogik. Pestalozzis Irrtum lebt; seine eigentliche Idee ist heute noch keineswegs allgemeine anerkannte Forderung. Wir können schwer glauben, daß der zufällige Irrtum eines genialen Mannes der Pädagogik für hundert, ja, auch mehr Jahre die Prägung verlieh. Es muß etwas Notwendiges, psychologisch Gesetzmäßiges hinter ihm stehen — das andeutungsweise zu entwickeln, der Zweck der folgenden Seiten sei.