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In Briefform werden 295 „Fälle” abgehandelt, was für jeden Fall einen durchschnittlichen Raum von 2½ Seiten ergibt. Man braucht nicht einmal Neurose (die der Autor manchmal „Thymopathie” nennt), sondern nur ein einziges Symptom einigermaßen gesehen und in seinen Verursachungen verstanden zu haben, um beurteilen zu können, wie wenig ausführlich der Autor bei seinen vielen und kaleidoskopbildartig am Auge des Lesers vorüberrollenden Fällen werden kann. Der ungeheure Stoff ist nach den wichtigsten Lebensabschnitten geordnet (Kindheit-Pubertät-Heirat-Klimakterium-Alter). Der Verfasser verfährt bei seinen Patienten nach dem kathartischen Verfahren — wie er heilt, und woran die Heilung liegt und — wielange sie anhält, das verrät er uns leider nicht. Mit allerlei Richtigstellungen von Behauptungen will ich gar nicht beginnen, es ist hier nicht der Raum dazu vorhanden.
Verfasser möchte, wie er im Vorwort betont, besonders seine Kollegen, die Ärzte, aufmuntern, die seelischen Ursachen der Krankheitserscheinungen ihrer Patienten nicht zu vernachlässigen. Dies ist im höchsten Grade lobenswert — wir als Laien wundern uns nur, daß man Ärzte mit Binsenwahrheiten auf eine so sehr simple und schonende Art aufmerksam machen muß. Wir fragen uns, ob denn die Ärzte in dieser Beziehung wirklich so wenig mit psychologischer Bildung belastet sind. Wenn dem wirklich so ist, so wollen wir uns nicht weiter wundern, wenn es Ärzte sind, die immer und immer wieder darüber in Zeitschriften und Tagesblättern herumschimpfen, daß es Pädagogen wagen, etwas von Psychologie zu verstehen und ihr Verständnis bei der Heilerziehung anzuwenden. Denn es müßte doch beschämend sein, sich einzugestehen, daß ein „Laie” mehr versteht als ein Arzt — da setzt man sich schon lieber aufs hohe Roß des Medizinalgesetzes und hetzt in scheinbarer Sachlichkeit. Es ist anzunehmen, daß Frank der letzte ist, so etwas zu tun …, er wendet sich ja auch an die Erzieher!
Der Verlag hat die beiden Bände mit viel Geschmack gebunden.