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Es ist offenkundig, daß zwischen den Generationen — zwischen Eltern und Kindern — ein Gegensatz besteht. Man irrt sehr, wenn man annimmt, daß die sich abspielenden Konflikte erst in unserer Zeit in Erscheinung traten. Bereits in der Geschichte der Urvölker hören wir vom Kampf der Söhne gegen den Stammvater. Die Rivalenschaft zwischen Vater und Sohn fand in vielen Mythen Darstellung. Im besonderen sei da an die Sage vom König Oedipus erinnert; die Furcht der älteren Generation vor der nachfolgenden und das Besitzergreifen der jüngeren haben in dieser Verarbeitung eine klassische Darstellung gefunden.
Wer Märchen und Sagen auszulegen weiß, wird in ihnen eine Fülle von Andeutungen und Symbolisierungen finden, die auf unser Thema zurückgehen. Die bösen Stiefmütter der Märchen stehen an Stelle der Mütter im allgemeinen. Die Schneewittchen-Stiefmutter sucht sich ihrer Tochter zu entledigen, weil sie auf deren Schönheit eifersüchtig ist und fürchtet, hinter ihr zurückstehen zu müssen. Aschenbrödel darf nicht mit auf den Ball gehen und sticht, als es ihr doch gelingt, die Mutter (und die sie auch symbolisierenden Schwestern) aus. In anderen Märchen und Sagen werden Riesen — die Väter — von ihren Gegnern, den Zwergen — also den Kleinen, den Kindern — bekämpft. Könige — als Vatersymbol — stehen in Konflikt mit ihren Untertanen.
Alles dies sind dem Leben entlehnte Stoffe. Eifersucht und Rivalenschaft, Herrschsucht und der Kampf gegen sie werden als etwas allgemein Vorhandenes aufgefaßt, da eben Sagen und Märchen Typisches zum Ausdruck bringen. Die feindlichen Triebe der Generationen gegen einander wirken auch noch heute in den Menschen, doch hat die Kultur dafür gesorgt, daß sie ins Unbewußte verdrängt werden und daher weniger stark zur Auswirkung kommen. Wir