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Die Kenntnis der Wurzeln vieler Seelenleiden und der Schwierigkeiten, die sich oft infolge unwirklichen Einstellens bei Kranken mit gestörtem seelischem Gleichgewicht während der Behandlung zeigen, drängt uns zu der Überzeugung, daß ein Verhüten der Leiden leichter ist und daher in der Erziehung geboten erscheint. Vor allem sind die Wirklichkeitserziehung, das wahrhaftige Unterweisen und die Erziehung zur Wahrheit nicht zu unterschätzende Hilfsmittel zum Bewahren des Menschen vor Seelenleiden.
Vor allem ist die Unterweisung über das Geschlechtliche nach Form und Inhalt so zu geben, daß sich ein Seelenleiden aus kindlichem Mißverstehen nicht bilden kann. Der Unterricht hierüber muß immer wahr sein und sich vor jeder selbst gutgemeinten Überspannung hüten. Eine natürliche, gesunde Erziehung des Kindes zur Keuschheit als menschlicher Tugend, also im bejahenden Sinn, wird entschieden mehr nutzen als alles Warnen, Drohen und alle Heimlichtuerei in Form dem Kind unverständlicher Andeutungen.
Es gibt keinen Zweig des menschlichen Lebens, der so tief in das Innenleben und das gesellschaftliche Verhältnis der Menschen eingreift, wie gerade die Regungen des Arterhaltungstriebes von seinem Erwachen in der Kindheit bis zu seinem Erlöschen, vielleicht erst am Ende des Lebens überhaupt. Daher ist es geboten, dem Kind von Anfang an klare Begriffe über das Geschlechtsleben zu vermitteln, damit der Heranwachsende die von selbst wachsende Aufklärung, d. h. die Zunahme der Einblicke in sich, guten Glaubens abwickeln läßt.
Beim Unterweisen über die geordnet geleitete Triebregung, die wir unter dem Sammelbegriff des Fortpflanzungstriebes zusammenfassen, ist es ratsam, die Selbstbeobachtung daran zu gewöhnen, daß sie den Geschlechtsorganen und ihrem weiteren Begriff nur die Aufmerksamkeit widmet, die dem Teilverhältnis zum Gesamtkörper entspricht. Hierdurch wird das Geschlechtliche in das Gesamtbild der Person richtig eingereiht. Wie das wirklich unterwiesene Kind es als selbstverständlich