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Während des Krieges war ich in der Nähe einer Stadt Kärntens als Arzt tätig. In dieser Zeit brachte man mir ein Mädchen wegen Schlaflosigkeit in die Ordination. Jede Schlafstörung konnte man allgemein mit dem Umstand begründen, daß in der Zeit öfters von Fliegern Bomben auf die Stadt geworfen wurden. Auch die Eltern waren dieser Meinung, hatten jedoch den Wunsch, daß das Kind, das vordem auch verschiedene Zeichen von Nervosität darbot, dem Nervenarzt gezeigt werde. Nebstdem war es auffallend, daß das Kind in dieser Zeit eine größere Neigung zur Religiosität bekundete und jeden Morgen spontan in die Kirche ging.
Das Kind machte keinen aufgeregten oder ängstlichen Eindruck. Eher lag ein gespanntes Interesse im Gesichte, eine Neugier, was wohl bei dem Besuche beim Arzte herauskommen werde. Mir schien, die Kleine hätte etwas zu erzählen, und ich brachte sie ohne Mühe zum Sprechen. Sie hatte mit einem veränderten, etwas ängstlichen Blick auf meine Bücher geschaut. Daran knüpfte ich mit einer Frage an. Dann sprach sie von selbst, wie jemand, der froh war, endlich von geheimen Sorgen befreit zu werden.
Sie erzählte, daß sie, ohne daß jemand davon Kenntnis hätte, ein Buch in die Hände bekommen hatte. Dort fand sie ein großes Bild, wo eine „Dame” nackt stand. Man konnte den Bauch wie einen Deckel aufheben und da stak in dem Bauch der Dame ein Baby (Wahrscheinlich war das ein volkstümliches Ärztebuch, das zumeist, um klar zu sein, mit krassen, grellfarbigen, zerlegbaren Bildern versehen wird.)
Sie meinte, daß sie seitdem immer nachdenken hat müssen, wie denn das möglich sei, daß solch ein Kind in den Mutterleib komme. Besonders mußte sie des Nachts grübeln und davon konnte sie nicht schlafen. Sie war endlich zum Ergebnis gekommen, daß jedes Mädchen schon mit einem ganz kleinen Baby im Bauche zur Welt komme; aber erst wenn eine Dame heiratet und der Mann sie küßt, kann das Baby zur Welt kommen. Ich sagte ihr, daß sie das ja beinahe richtig wisse, und wenn sie mehr wissen wolle, s