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Jung, der in seinen früheren Jahren ein hervorragendes Mitglied der Freudschen Schule war, sich dann von ihr trennte und nun seine Lehre analytische Psychologie nennt, entwickelt hier kurz und populär, auf den Erzieher berechnet, seine Anschauungen. Leider nimmt er sich nicht die Mühe, die Gründe für seine Abwendung von der Psychoanalyse deutlich zu machen. Jung gibt nur zu erkennen, daß er an der Sexualtheorie Freuds Anstoß nahm. Er entwickelt aber nicht die Tatsachen, die er festgestellt hat und die den von Freud entdeckten widersprächen. Er findet, Freud sei einseitig, dogmatisch, fanatisch, er überschätze die Bedeutung des Sexualinstinkts. Dies alles sind Eindrücke, aber keine Gegenbeweise. Freud hat in seinem Lebenswerke eine solch ungeheuere Fülle von Tatsachen, nicht bloß Theorien geboten, daß ihn zu widerlegen ein ernsthafteres Argument nötig ist, als die Eindrücke, die der Menschenverstand, auf ihn beruft sich Jung, vermittelt. Dabei erweckt Jung den Anschein, als kennte Freud nichts anderes als Sexualität; dies wäre nun freilich eine Theorie, die vor den höchst komplizierten Tatsachen des Seelenlebens zu einfach wäre. Aber gerade das war niemals Freuds Ansicht, sondern er versuchte immer die seelischen Erscheinungen aus dem Zusammenwirken oder Gegeneinanderkämpfen von zwei verschiedenen Trieben zu erklären, vom Sexualtrieb und dem Ichtrieb. Jung vereinseitigt zuerst die Psychoanalyse und hat es dann leicht, sie als „lächerlich und pervers einseitig” zu bekämpfen. Fehlen somit die wissenschaftlichen Gründe (Tatsachen) gegen die Psychoanalyse, so strömen die moralischen und ästhetischen in Fülle. Die Psychoanalyse sehe „nichts als Sexualität und zerre jede Schönheit und jeden Wert in den Schlamm perverser Phantasie herunter”. „Das Gefühl wird aufs tiefste beschädigt durch die Freudsche Doktrin, während wir nur durch ein anständiges Gefühl hoffen können, in der Lösung der Sexualprobleme vorwärts zu kommen.” Solche Sätze sind für Jung sehr bezeichnend. Sie mög