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Im Alter von drei bis fünf Jahren zeigte mein Töchterchen Annelise, ein intelligentes, bewegliches Geschöpfchen ohne psychopathische Merkmale jenes sonderbare Verhalten, das zumal bei einzigen Kindern (wie im vorliegenden Fall) in besonders deutlichem Maße das Vorhandensein des sogenannten „Ödipuskomplexes” verrät, Der Vater stand ihrem Herzen näher als die Mutter, wurde ihr stets vorgezogen, bei kleinen Meinungsdifferenzen eifrig und vorlaut gegenüber der Mutter verteidigt. Die Mutter bekam durch schwächeren Ausfall der kindlichen Gunstbezeugungen, durch systematische „Vernachlässigung” zu spüren, daß sie in den Augen der Kleinen die zweite Rolle spiele. Gelegentlich steigerte sich diese Haltung zu „Ungezogenheiten”, in denen sich trotz der Liebe zur Mutter auch ein unverkennbares Rivalitätsgefühl, ja Haß zuweilen ausdrückte.
Mit viereinhalb Jahren philosophierte die Kleine, ohne Scheu, wie Kinder dieser Altersstufe das tun, gelegentlich über Sterben und Totsein. Bei dieser Gelegenheit wurde die Kleine einmal gefragt: „Was tust du, wenn Mutti einmal tot ist?” Antwort: „Ich leg’ sie in ihr Bett. Dann wird sie mitsamt dem Bett verbrannt und begraben. Dann hol’ ich mein Bett aus dem Kinderzimmer und stelle es neben Vaters Bett und schlafe dann immer bei Papa.” Weiter gefragt, was sie wohl täte, wenn Vater tot sei, sagte sie: „Ich leg’ ihn in sein Bett und photographiere ihn. Das Bild stelle ich dann im Kinderzimmer auf den Nachttisch neben mein Bett.”
Ich betone, daß diese Leistung ganz spontan war. Das Kind war nie Gegenstand psychoanalytischer Experimente oder auch nur Ausfragung. Zum Verständnis der Bedeutung des kindlichen Ausspruches ist folgendes zu erwähnen. Die für das Kind wohlbewußte „Nichtwirklichkeit” des elterlichen Todes, das „Als ob” der Fragestellung, entfernt die Beantwortung aus der Sphäre der Realität, hilft somit das latente Schuldgefühl ausschalten, sodaß sich die kindliche Wunschphantasie naiv und unentstellt auswirkt. Aus der Triebsprache in ratio