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Tesar untersucht soziologisch, was Schule ist. Er versucht „Die Beschreibung und das Verständnis jener gesellschaftlichen und individuellen Bedürfnisse, die zur Errichtung von Schulen geführt haben und führen”. Die soziologische Betrachtungsweise wird immer häufiger in der Pädagogik; leider bedeutet sie meistens keinen Fortschritt gegenüber der früher ausschließlich angewandten philosophischen. Auch die Soziologen werden optimistisch, philosophisch, idealistisch, so sie auf Erziehung zu sprechen kommen; man erfährt viel von ihren Wünschen, Werten und Idealen und wenig von der sozialen Tatsache „Erziehung”, die sie zu beschreiben unternommen hatten. Tesar — Direktor einer österreichischen Bundeserziehungsanstalt (Begabtenschule) — ist eine erquickende Ausnahme. Er schildert die Dinge, wie sie sind; er verwendet die Soziologie, um mehr zu sehen, als die Schulkämpfe der Gegenwart dem naiv Beteiligten zeigen. Er fragt nach den Interessen der Bürokratie, des Erziehers, der politischen Parteien, der verschiedenen Elternschichten an der Schule und gibt eine eindringende, sehr sorgfältig abwägende Darstellung der sozialen Dynamik heutiger Schulreformkämpfe. Dies allein würde rechtfertigen, das Buch ernsthaft zu beachten. Aber Tesar hat es verstanden, auch den zweiten Grundfehler der meisten soziologischen Pädagogen zu vermeiden. Im allgemeinen will soziologische Erziehungsbetrachtung sich in Gegensatz zur psychologischen stellen. Nun bedarf es keines Wortes der Rechtfertigung für die Überzeugung, daß die Psychologie allein ganz und gar nicht ausreiche, die Probleme der Erziehung, die nun einmal eine soziale Tatsache ist, zu bewältigen. Man kann den Anteil der Soziologie an der Erziehungswissenschaft gar nicht hoch genug ansetzen. Man kann aber doch auch nicht auf die Psychologie verzichten. Und in Wahrheit tun dies auch jene Autoren nicht, die prinzipiell ohne Psychologie auszukommen für nötig halten; sie schmuggeln an beliebigen Stellen psychologische Anschauungen, Theorie