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Ernst Jucker (Schulratspräsident in Tomsk): „Selbstregierung in der russischen Mittelschule”. — Gegner und Anhänger der Schülerselbstregierung wird es gleicherweise interessieren, zu hören, daß in Rußland die Schülerselbstregierung allgemein durchgeführt ist; daß dieser Versuch die Wertlosigkeit der europäisch-amerikanischen Systeme erwies, die nur „Scheinselbstregierungen” sind, welche bei konsequenter ernsthafter Schulreform in sich zusammenbrechen. Von den äußeren Schwierigkeiten, den Problemen und der Gewalt einer echten Schülerselbstregierung — im Negativen wie im Positiven — macht man sich selten die genügende Vorstellung. So steht das Problem z. B. in Rußland: „Außerordentlich wichtiger Punkt ist die Frage der Verantwortlichkeit für die Arbeit in der Schule … Wenn die Schülerorganisation irgend einen wichtigen, für die Schule weittragenden Beschluß der Mehrheit faßt, dieser Beschluß hat finanzielle und ethische Folgen, wer ist dann dafür verantwortlich?” Die Schüler zu prellen ist unmöglich. „Wo werden wir den Erzieher finden, der gewillt ist, alle Beschlüsse einer Schülerdemokratie auszuführen und dann später für die ganze Sache verantwortlich zu sein? Ich höre hier den gewichtigen Einwand, es sei die Kunst des Lehrers, die Schule so zu führen, daß dem Schüler das Gefühl der Freiheit vollständig gewahrt bleibe. Das ist nun gerade der fromme Selbstbetrug, den man am Anfang nicht erkennen kann und von dem man erst ganz unbarmherzig erfährt, wenn man eine Zeit lang alle Saiten seines ‚psychologischen Harfenspiels’ erklingen ließ, ohne aber das gewünschte Resultat zu erhalten. Nirgends so wie in der Erziehung führt nur ganz unbarmherzige Ehrlichkeit gegen sich und andere zum Ziele, jede Gauklerei ist von größtem Schaden, und nichts ist schlimmer, als wenn die Methode der hohen Diplomatie in das Schulzimmer Einzug hält. Unsere Schüler sind allen Finessen der künstlerischen Pädagogik gegenüber äußerst unbarmherzig, sie haben ein viel feineres Gefühl für alles, was