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Alfred Adler: „Zusammenhänge zwischen Neurose und Witz.” — Die Neurose wird mit einem schlechten Witz verglichen. Das Wesen der Anekdote sei, daß sich in ihr zwei verschiedene Bezugssysteme, ein normales und ein unerwartetes, ungewöhnliches, treffen. Auch die Neurose hat ihr eigenes (nicht normales) Bezugssystem (Minderwertigkeitsgefühl und seine Überkompensation). Aber bei der guten Anekdote sind beide Bezugssysteme wertvoll; das der Neurose ist wertlos, sie ist ein schlechter Witz. — Man lese dagegen Freuds Buch über den Witz, und entscheide selbst, wer mehr Tatsachen der Witzpsychologie erklärt: Adler, der alle seelischen Erscheinungen in einem Gedanken eint (Psycho Synthese), oder Freud, der die seelischen Tatsachen von einander sondert, sie in ihre Bestandteile zergliedert (Psychoanalyse).
Fritz Künkel: „Die Kritik der Triebe; Untersuchungen über die kategorialen Grundlagen der Individualpsychologie und der Psychoanalyse. IV. Die psychische Energie als Substanz (Libidotheorie). V. Die Triebe als Substanzen.” — Kenntnisreiche Spekulation über psychische Energie, die natürlich zum Ergebnis kommt, daß die Freud sehe Energietheorie und Libidotheorie falsch ist. Künkel hat vollständig recht: so geht es nicht. Aber die Psychoanalyse hat dies immer gewußt und vermengt nicht — wie Künkel in ihrem Namen tut — die Erlebnisweise (phänomenologischer Gesichtspunkt) mit dem dynamischen Standpunkt (Libidotheorie), mit dem ökonomischen Standpunkt (Lustprinzip), mit dem strukturellen Gesichtspunkt (Es—Ich—Über-Ich), mit der Energielehre und schon gar nicht das alles mit der Physik, sondern versucht diese sehr schwierigen Fragen vorsichtig zu klären, im Bewußtsein, an einem Anfang und nicht am Ende zu stehen. (Siehe außer Freuds Gesammelten Schriften die Bücher: Bernfeld, Psychologie des Säuglings [Springer, 1926], und Hartmann, Grundlagen der Psychoanalyse [Thieme, 1927], die manche der von Künkel genannten Schwierigkeiten gern zugeben, aber darum doch die Partie nicht entmutigt