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In Nummer 49 der „Literarischen Welt” befindet sich ein Artikel, betitelt: „Das Kind braucht keinen Schutz vor Schund! Es schützt sich
selbst!” Verfasser ist Dr. Siegfried Bernfeld. Die in dieser Überschrift enthaltenen Behauptungen sucht Bernfeld folgendermaßen zu rechtfertigen: Der Neigung des Kindes zur freiwilligen Lektüre von Schundschriften komme eine symptomatische Bedeutung zu; sie sei eine „Entwicklungsphase der Phantasie”. Und die Schundphantasie sei „das Produkt der Überwindung von noch anstößigeren, noch direkteren Phantasien”. Die Lektüre sei „der Ersatz für die bereits überwundenen Impulse zu infantilen Verbrechen”. Gefährlich sei sie nicht, denn sie „verleitet nicht im mindesten zum Tun”. — Dies sind ganz kurz Bernfelds Formulierungen.
Bernfeld hat bei der Abfassung seines Artikels sicher nicht damit gerechnet, widerspruchlos gehört zu werden. Ich glaube auch nicht, daß die Psychoanalyse — wie sie es doch scheinbar tut — zur Stützung seiner Auffassung dienen kann. Vielmehr scheinen mir die psychoanalytischen Erkenntnisse eine andere Richtung zu weisen.
„Die Lektüre verleitet nicht im mindesten zum Tun.” Die Lektüre von Goethes „Werther” hat viele zum Selbstmord veranlaßt. So mancher Junge ist seinen Eltern entlaufen, nachdem er den „Robinson” gelesen hatte. Einer meiner Kollegen änderte seine ganze Ernährungsweise, nachdem er das Buch „Lichtwärts” von W. Zimmermann gelesen hatte. Und wer weiß nicht von masturbatorischer Betätigung, veranlaßt durch das Lesen von Schundheften? Nein, die Lektüre kann einen erheblichen Einfluß auf unser Tun haben und veranlaßt es oft genug.
Nun stimmt es aber auch, daß das Lesen von Schundschriften bei manchen Kindern keine sichtbaren Taten auslöst. Dann handelt es sich um die Frage, ob bei diesen Kindern keine sonstwie schädlichen Folgen entstehen. Ein Kind liest freiwillig nur solche Bücher, deren Inhalt einer inneren Bereitschaft entgegenkommt. An einem Beispiel mag das hier zu Sagende verdeutlicht werden: Der kleine Ku