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Alexandra Kollontay — ehemals Sowjetbotschafter in Stockholm — gibt eine Darstellung moralischer, ethischer, sexueller Konflikte in Sowjetrußland, die sehr geeignet ist, einigen psychoanalytischen Gedanken zum Thema der vielbeklagten Sittenlosigkeit und Verderbtheit heutiger Jugend als Anknüpfungspunkt zu dienen. „Die Liebe der drei Generationen”1: Die Großmutter, Marja: fortschrittliche Liberale der neunziger Jahre; die Mutter Olga: Revolutionärin von 1905; und Genia, die Tochter: im sibirischen Exil geboren, halbwüchsig bereits aktive Revolutionärin von 1917/18 — verstehen einander nicht und stehen nicht allein mit sich selbst, sondern auch mit den radikalen Vertretern der Generation vor ihnen in Konflikt. Dies ist der Weg der Liebe der Großmutter: Wohlerzogenes Mädchen, heiratete sie aus Liebe gegen den Willen der Eltern einen Offizier, lebte mit ihm als Regimentskommandeuse in kleinem Provinzort; glücklich; mustergültige Hausfrau und Mutter, vom Gatten vergöttert. Aber von liberalsozialen Ideen erfüllt, geistig ihm allmählich entfremdet. Ihre „Liebestragödie”: Sie fühlt, daß sie den Kreisarzt, einen Gesinnungsgenossen, liebt. „Die Rechte der Liebe sind stärker als die Pflichten der Ehe.” Sie verlangt die Scheidung, die der Gatte, zu jedem Kompromiß bereit, verweigert. Sie aber verläßt ihn, zieht mit dem Kreisarzt, erfüllt ihre Ideen (wird angesehene Volksbibliotheksgründerin). Skandal im Milieu des Offiziers, der Eltern; Bewunderung bei den Liberalen. Verbannung — Rückkehr — Fortsetzung ihrer Tätigkeit. Der Kreisarzt wird von ihr beim Hausmädchen angetroffen. Sie packt sofort ihre Sachen; sieht ihn nie wieder, hat aber nie aufgehört ihn zu lieben und blieb ihm treu. — Weg der Liebe der Mutter: Marxistin seit frühester Jugend; ein führender Genosse, ihr Lehrer, bedeutend älter, wird ihr Mann, sie ist kaum zwanzig Jahre alt; „aus