You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der siebenjährige Hansruedi und das dreijährige Urseli wurden zu Bett getan. „Heute gehen Vater und Mutter in ein Konzert, ihr seid recht brav und schläft sofort ein. Wenn ihr etwas dringend nötig habt, so könnt ihr klopfen, Frau Z … [unsere Nachbarin] hat den Schlüssel. Nun, gute Nacht!„Weil die Kinder bis anhin gewöhnlich sehr rasch einschliefen, und zudem die Angst des Alleinseins ihnen ganz fremd war, gingen wir beruhigt weg. Bei unserer Rückkehr um zirka 10 Uhr fanden wir auch beide ruhig schlafend in ihren Bettchen liegen. Am Morgen meldete aber dann Hansruedi, Urseli habe ein wenig geweint, er hätte es aber trösten können, weiter sei nichts passiert. Darauf verschwand er auffällig rasch und ruhig zur Schule. Kaum war er weg, vernahmen wir von Frau Z …, daß Hansruedi ihr gestern ohne sichtlichen Grund geklopft habe. — Die Kleine verklagte er also, von sich aber verrriet er nichts. Diese Verstocktheit hatte ich bis anhin an dem Knaben noch nie entdeckt, und mein väterlicher Zorn stieg hoch an. Wäre der „Missetäter” noch zu fassen gewesen, hätte es wohl ein peinliches Verhör und was weiß ich was abgesetzt. Glücklicherweise war er weg.
Erheblich ruhiger schon kehrte ich zum Mittagessen zurück. Wie nun die Sache anpacken? Da fuhr mir plötzlich ein Gedanke durch den Kopf. Ohne das Dafür und Dawider lange abzuwägen, war er ausgeführt. Ich legte an Urselis Platz ein 10-Rp.-Stück, an Hansruedis auch eines, dazu aber noch zwei 5-Rp.-Stücke. „Weil ihr gestern abend so artig gewesen und ruhig eingeschlafen seid, gebe ich euch etwas ins Kässeli, Urseli erhält nur die Hälfte, weil es ein wenig unruhig gewesen ist.” Unauffällig konnte ich nun beobachten, wie es in den Gesichtszügen des Knaben zu schaffen begann, wie der Blick unruhig wurde, bis endlich die Erlösung kam. Er legte das 10-Rp.-Stück an meinen Platz zurück. „Ich bin auch unartig gewesen, ich habe Frau Z … geklopft, mir gehört daher nicht mehr als meinem Schwesterchen”, war die kurze Erklärung dazu. „So?! — Ja nun