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Als Heft II der Schriftenreihe „Arzt und Seelsorger” hat Müller-Braunschweig den Versuch unternommen, das Verhältnis der Psychoanalyse zu Ethik, Religion und
Seelsorge zu untersuchen. Ausgehend von dem Gegensatz zwischen exakter Wissenschaft — der Psychoanalyse — und Glauben überhaupt, gelangt er zu dem Schluß, daß gerade die Psychoanalyse in keiner Weise religiösem Glauben widerspräche, sondern daß sich vielmehr schon bei oberflächlicher Betrachtung verwandte Erscheinungen zwischen Religion und Psychoanalyse zeigen.
Außerordentlich klar ist der skizzenhafte Aufbau der Freud sehen Lehre. Durch eine Darstellung des Libidobegriffs wird der alte Einwand — die Psychoanalyse beschäftige sich ausschließlich mit der Sexualität — entkräftet und zugleich gezeigt, wo die Arbeit der analytischen Heilung einsetzt. Diese wird in einem gesonderten Kapitel soweit behandelt, wie es für die drei letzten Abschnitte, die von der praktischen Bedeutung der Psychoanalyse für die Seelsorge handeln, notwendig ist.
Relativ ausführlich behandelt sind Funktion und Pathologie des Über-Ichs, dessen Rolle in der Psychoanalyse hinüberleitet zum Gewissensbegriff der Ethik und damit zum Verhältnis dieser Disziplin zur Psychoanalyse. Besonders hervorgehoben sei noch die ausgezeichnete Art der Literaturangabe sowohl innerhalb des Textes, wo die Beschränkung auf die wesentlichsten Werke die Lektüre erleichtert, als auch in der Zusammenstellung am Schluß.
Nicht nur der Seelsorger, sondern auch der Pädagoge wird viel Anregung von der kleinen Schrift haben. In einer pädagogischen Handbibliothek sollte sie nicht fehlen. Der theoretisch Arbeitende wird sicher auch das gute Sachregister begrüßen, das man leider bei den meisten Schriften noch vermissen muß.
Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, daß der eigentliche Hauptteil des Buches nicht soviel philosophische Kenntnisse voraussetzt, wie die beiden ersten Abschnitte. Es sollte sich also niemand durch die recht schwer geschriebene Einleitung von der Lektüre a