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Sigmund Freuds Einfluß auf die Einstellung der Einzelnen und der Gemeinschaften zu ihrer menschlichen Niedrigkeit und Größe, zu ihrer Dumpfheit und Leidenschaftlichkeit, zu ihrer Zwietracht und Einheit wäre ein interessantes Problem der Untersuchung. Der Soldat, der Student, der Arzt, der Pfarrer, der Lehrer, das Kind — vor dreißig Jahren, als Freud anfing, sein Werk aufzubauen — und jetzt! Ich schlage zehn beliebige Bücher auf, sehe zwanzig Zeitschriften durch, frage dreißig Menschen verschiedener Stände: In vier Büchern — einem Geschichtswerk, einem soziologischen Buch, einer Novelle, einem Fachbuch für Ärzte — nimmt man Stellung zu Freud oder schöpft aus ihm. In sieben Zeitschriften wird Freud zitiert, kritisiert, abgeschrieben, anerkannt, überholt, lächerlich gemacht, vertanden. Unter dreißig Zeitgenossen wissen dreizehn etwas von Freud oder Psychoanalyse, haben sieben die Assoziation Sexualität, einer murmelt etwas von Komplexlehre und Verdrängung; der nächste hat eine Tante, die bei einem Freud-Schüler ihre Angstneurose verlor, — er zollt dem Meister alle Achtung”, — der zehnte ist ein Arzt, der meint, die Wissenschaft hätte viel von Freud gelernt, nur solle der alte Herr die Laienanalyse verdammen, statt sie gutzuheißen; eine junge Frau, die seit der Lektüre von Freuds „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse” auf das Versprechen und Vergessen ihrer Freundinnen achtet, behauptet, dadurch ohne weiteres die echten von unechten trennen zu können; der zwölfte ist ein junger Pädagoge, der die Analyse anzuerkennen geruht, aber die Synthese vermißt; eine Dame, die sehr erfüllt ist von einigen Vorträgen, die sie kürzlich über Freud gehört hat, mag nur das Wort „Psychoanalyse” nicht gerne, weil es „Seelenzerstörung” heiße. Dann frage ich noch meinen dreizehnjährigen Sohn, er antwortet kurz: ich schlage dir selbst eine Psychoanalyse vor, während mein Vierjähriger Freuds Trieblehre bestätigt und ohne Achtung vor dem Werturteil der Erwachsenen versucht, mittels e