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Seit einigen Jahren bin ich an den Stockholmer Hilfsschulen als Ärztin angestellt. Doch muß ich häufig auch Kinder aus den Normalklassen aus verschiedenen Gründen beurteilen, z. B. wegen Vergehen allerlei Art, meist wegen Diebstählen. Es handelt sich dabei gewöhnlich um Fälle von wiederholtem Stehlen, die den Lehrern schwerbegreiflich erscheinen und wo die gewöhnlichen erzieherischen Maßnahmen fehlschlagen. Die Frage, die ich zu beantworten habe, ist gewöhnlich folgende: Ist das Kind als verwahrlost zu betrachten oder kann das Vergehen auf irgendeiner Krankheit oder einer psychischen Abnormität beruhen? Nicht selten fragt man mich um Rat, wenn ich im Begriff bin, nach Hause zu fahren. Es gilt, schnell den Fall zu klären, und dabei handelt es sich meistens um ein verzweifeltes oder trotziges Kind, welches schon mehreren peinlichen Verhören unterworfen und wiederholt bestraft worden ist.
Mein erster Fall war eben dieser Art. Ein neunjähriger jüdischer Bub, Hermann, wurde vorgeführt. Er hatte seit längerer Zeit — ungefähr einem Jahr — wiederholt Geld aus den Taschen der Schulkameraden genommen. Der Knabe war verdrießlich und trotzig, und ich wußte nicht, wie ich an ihn herankommen könnte. Ich sprach mit der Mutter, erfuhr aber fast nichts. Sie war nicht minder mißgestimmt als ihr Sohn. Außerdem konnte sie sehr schlecht schwedisch sprechen, weil die Familie erst vor wenigen Jahren aus Rußland nach Schweden gekommen war. Die Diebstähle konnte sie nicht erklären. Bis vor einem Jahr sei der Bub ehrlich gewesen. Sie gab an, daß er zu Hause nicht stehle. Sie meinte, es fehle ihm nichts. Das einzige von Interesse, was ich erfuhr, war, daß er schlecht schlief und viel träumte. Zu dieser Zeit war ich noch nicht analytisch tätig. Ich kam aber doch auf den Gedanken, mir einen Traum erzählen zu lassen, um zu sehen, ob ich dadurch eine Erklärung bekommen könnte. Wie Freud ja gefunden hat, erfüllen die Kinder in ihren Träumen oft ohne große Verhüllung ihre Wünsche. Ich sprach w