You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Vor mehreren Jahren wurde ich von einer jüngeren verlobten Dame um meine Hilfe gebeten, weil sie sich vor ihren Schuldgefühlen nicht mehr retten konnte. Sie hatte sich kleine Veruntreuungen in ihrem Beruf zu schulden kommen lassen, dieselben ihrem Chef gestanden, und dieser hatte ihr ganz und aufrichtig verziehen. Trotzdem konnte sie ihres Lebens nicht mehr froh werden. Die von mir eingeleitete psychoanalytische Behandlung zeigte sehr bald, daß die Patientin seit etwa ihrem sechsten Lebensjahr an einer Zwangsneurose litt. Es ist bekannt, daß zwangsneurotische Menschen stark von Schuldgefühlen gequält werden, welche sie aber nicht davor bewahren können, immer wieder in zwanghafter Weise von ihnen verurteilte und neue Schuldgefühle verursachende Handlungen auszuführen. Meine Patientin war von früher Kindheit trotz härtester und erniedrigender Strafen immer wieder der Versuchung unterlegen, sich ihr nicht gehörende Gegenstände anzueignen, aber gewöhnlich in so ungeschickter Weise, daß die Strafe auf dem Fuße folgte. Sie litt, um einen psychoanalytischen terminus technicus zu gebrauchen, unter einem Geständniszwang und Strafbedürfnis;1 dasselbe eigenartige Verhalten