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Ein plastisches Beispiel für die „Allmacht der Gefühle” gibt folgendes Ereignis meines gerade dreijährigen Sohnes: Er erlebte zum erstenmal mit vollem Bewußtsein ein Gewitter. Donner und Blitz machten einen starken Eindruck auf ihn, daß er den ganzen Nachmittag versonnen und schweigend umherging.
Abends im Bett sagt er: „Bitte nochmal donnern und Lichtchen (Blitz) machen”. Auf die Antwort, „daß ich das nicht könne”, läßt er sich gar nicht ein: „Doch Du kannst es, bitte nochmal donnern und Lichtchen machen.” Als er dann doch zur Einsicht meiner Unfähigkeit gelangt, beginnt er sich unruhig im Bett hin und her zu werfen. Plötzlich vernimmt man laute Blähungen, sein Gesichtchen wird ganz hell und er sagt energisch: „Dann eben ich donnern!”
Den gleichen Machtgefühlen entsprechen die Bemühungen des zweijährigen Bruders: Er stellt sich breitbeinig her und pustet aus vollem Halse, und dieses Pusten bezweckt nichts Geringeres, als einmal einen Flieger „herunterzupusten”, ein andermal den Mond auszulöschen oder die Straßenlaternen. Es ist ihm noch keinmal gelungen, aber der Glaube an seine Kraft läßt es ihn immer wieder von neuem versuchen.
R. Mannheim