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Häberlin versucht in diesem Buch eine kurzgefaßte Darstellung aller therapeutischen Richtungen zu geben, die das Unbewußte als wesentlichsten Faktor psychischen Geschehens ansehen. Es mag dahingestellt bleiben, ob es einem Anhänger einer der vielen Richtungen, die sich heute mit mehr oder weniger Recht als „psychoanalytisch” bezeichnen, überhaupt möglich ist, eine solche Darstellung objektiv zu geben. Häberlin, der Anhänger der Jung'schen Schule ist, ist es meines Erachtens nicht gelungen. So bietet das Buch zwar viel Interessantes für den mit der Psychoanalyse vertrauten Leser, ist aber keine Einführung in die psychoanalytische Wissenschaft für Laien.
Interessant und anregend sind vor allem der Abschnitt über das Unbewußte und die Einleitung, die von den „seelischen Wirklichkeiten” handelt. Die Methodik der Psychoanalyse ist in einem eigenen Abschnitt sehr anschaulich dargestellt. Um so mehr nimmt es wunder, daß der Verfasser von einem „Hineinfragen” bei Kinderanalysen spricht. Besonders, da er sich mit großer Schärfe gegen Kinderanalysen wendet, wäre es interessant, noch andere Gegenargumente zu hören, als nur das eine, daß man in das Kind alles hineinfragen könne.
Die Freud'sche Lehre im engeren Sinn ist in dem Buch in ihrer historischen Entwicklung dargestellt. Dagegen läßt sich bei jeder jungen Wissenschaft viel einwenden, besonders aber bei einer so heiß umkämpften wie der Psychoanalyse. Außerdem aber bedeutet jedes neue Werk Freuds eine so grundsätzliche Ausgestaltung, daß die Kritik leicht als verfehlt erscheint, die frühere Formulierungen Freuds angreift, ohne spätere Werke genügend zu berücksichtigen. So ergeht es hier auch Häberlin, z. B. in dem, was er von der Verdrängung sagt.
Der zweiten Auflage hat Häberlin einen neuen Abschnitt — Einiges über die Begriffe des Symbols, des Ödipuskomplexes und der Verdrängung — hinzugefügt. Grundsätzlich Neues ist hier nicht gesagt. Es werden nur einige in den vorhergehenden Abschnitten schon behandelte Probleme etwas and