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Wer sich längere Zeit mit der Psychoanalyse Nervöser beschäftigt, wer sich dabei Gedanken über die Folgen macht, welche das Erleben im Elternhause in den frühen Jahren der Entwicklung mit sich gebracht hat, sammelt eine reichliche Erfahrung über das, was der Nervöse selbst in seiner Erziehung schlecht, schädlich, ja unerträglich gefunden hat, aber auch über immer wiederkehrendes objektives Sündigen der Eltern an ihren Kindern, sehr oft trotz ihrer besten Absicht.
Die Anwendung roher Gewalt, erniedrigender Prügel, auch selbst nur in vereinzeltem Vorkommen, ist den Kindern oft unvergeßlich, gibt zuweilen Anlaß zu Auflehnung und Haß.1 Wir wissen, daß es leidensfreudige Kinder gibt, die darum so hartnäckig schlimm sind, weil sie neben den Schmerzen ihren heimlichen Genuß haben, wenn sie roh gestraft werden. Was wissen die Erzieher von dem, was in dem kleinen Sünder vorgeht, von seinen Träumen und Phantasien, die den Knaben immer mehr in lebensuntaugliche Weiblichkeit und Masochismus hineindrängen? Zum großen Schaden wird noch der Herangewachsene geohrfeigt, beschämt, um es manchmal lebenslänglich nachzutragen. Daß rohe Prügel im Hause Gebildeter vorkommen, daß selbst Hundepeitschen u. dgl. verwendet werden, wird nicht allgemein bekannt; aber öfter noch ist rohe Bestrafung Teilerscheinung einer von Gewalt, Streit und Trunksucht erfüllten Umwelt, die natürlich noch ärgere Wirkungen zeitigt: triebhafte, moral- und ideallose Individuen gehen daraus hervor. Ist das Prügeln noch überdies Ausdruck von Ungerechtigkeit, Zurücksetzung eines Kindes vor den Geschwistern oder deutlicher Lieblosigkeit, so ist der seelische Schaden noch tiefer gehend.
Ist sonst der Jüngste oft der verzogene Liebling, so kommt es doch, besonders im Hause der Armut, vor, daß ein spät und unerwünscht geborenes letztes Kind ungeliebt, ja gehaßt aufwächst, und dadurch immer