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Es wird der Psychoanalyse und den Psychoanalytikern oft zum Vorwurf gemacht, daß sie der Wirklichkeit menschlichen Lebens wildphantastische, spekulative Deutungen anhefteten, die der nüchterne Verstand ablehnen müsse. Tatsächlich klingen viele analytische Darstellungen und Erklärungen beim ersten Hören außerordentlich befremdend, so etwa die Behauptung von häufig wiederkehrenden und teilweise — wenn auch nur bildhaft — verwirklichten Mutterleibsphantasien der Menschen. Es erscheint den meisten Menschen unnötig, das allabendliche Sichverkriechen ins Bett, die gesteigerte Sehnsucht nach dem Bett in Zeiten heftigerer Lebenskämpfe oder schwerer zu ertragender Enttäuschungen in Zusammenhang zu bringen mit dem Wunsche, zurück zur Mutter zu gelangen, in den paradiesisch warmen, ungestörten, beschützten ersten Lebenszustand. Welche drastisch absurden, zugleich aber ihren gemeinsamen geheimen Sinn deutlicher offenbarenden Formen dieser Wunsch bisweilen annehmen kann, das zeigt die merkwürdige Geschichte des „Mannes in der Kloake”, die die „Frankfurter Zeitung” (am 24, September im ersten Morgenblatt) veröffentlicht hat:
In Pariser Blättern finden wir folgende merkwürdige Geschichte : Dieser Tage wurde unter einem Pariser Stadtteil das Kanalisationssystem nachgeprüft, da es reparaturbedürftig war. Im Halbdunkel der unterirdischen Kanalgänge sahen
Page 86die Arbeiter plötzlich einen Mann von gänzlich verwildertem Aussehen vor sich, der sich kaum verständigen konnte. Er wurde vor das Polizeikommissariat geführt, wo festgestellt wurde, daß der Unglückliche, ein gewisser François Dublot, seit achtzehn Jahren dauernd in den Kloaken gelebt hatte. Er gab an, durch einen nur von ihm benutzten Gang eine Verbindung mit den Markthallen gefunden zu haben, von wo er sich in der Nacht die Abfälle holte, von welchen er lebte. Ein Wasserrohr, das leckte, versorgte ihn mit dem nötigen Trinkwasser. Der seltsame Kloakenbewohner wollte seinen Zufluchtsort um keinen Preis verlassen und bat inständig, da