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Alfred Adler: „Die Erziehung zum Mut” (Einleitung zu einem Vortrag in Locarno). Da die Meinungen der Erzieher über das Ziel der Erziehung so sehr auseinander gehen, „wäre es ein unschätzbarer Vorteil, sich wenigstens auf einige Punkte zu einigen, die kraft ihrer wissenschaftlichen Unfehlbarkeit oder weil sie wenigstens dem common sense entsprechen, im Ziel der Erziehung ihren berechtigten Platz einnehmen. Wenn wir die zur dauernden geistigen Verkrüppelung verdammten Kinder ausschalten, so scheinen uns drei von diesen Forderungen als die heute bemerkenswertesten. 1. Das Erziehungsziel muß ein allgemeines sein (= ‚Erweckung von Fähigkeiten bei allen Kindern’). 2. Es muß sich denknotwendig ergeben. 3. Es muß die Nützlichkeit für die Allgemeinheit gewährleisten”. Gegen diese Ziele kann man sehr viel einwenden, aber in Locarno waren wohl alle mit dieser verschwommenen „Nützlichkeit für die Allgemeinheit” einverstanden, Adler hatte also zu zeigen, daß die Individualpsychologie für die Bekenner dieser Ziele die wichtigste Grundlage biete. Ist das Ziel allgemein, wird der Erzieher den Mut der Kinder zu fördern haben; ist es denknotwendig, wird dies den Mut des Erziehers steigern; geht es um die Nützlichkeit für die Allgemeinheit, so ist Mut erst recht vonnöten, da ja Adler behauptet, daß alle Abwendung von dem Nutzen für die Allgemeinheit aus mangelndem Mut entstehe. „So schließen sich diese drei Gesichtspunkte zu einer Einheit zusammen …, zeigen auch gleichzeitig die zentrale Bedeutung der Erziehung zum Mut, wie sie bewußter und immer auf Verstehen gestellt in der Individualpsychologie geübt wird.” Da es kaum Erzieher gibt, die als ihr Ziel die Feigheit hinstellen, fühlen sich viele durch diese Formulierungen zur Individualpsychologie hingezogen, und das Ziel wird tatsächlich von großer Nützlichkeit, wenigstens für die Individualpsychologie sein. Wenn es nur wahr wäre, daß „die schwererziehbaren Kinder, die Nervösen, die Selbstmordkandidaten, die Verbrecher, die Prostituie