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Bei dem im Jahre 1912 abgehaltenen „Symposion” über die Onanie standen alle Teilnehmer einig auf dem Boden der damaligen Lehren der Psychoanalyse: Die Trieblehre, die dynamische, ökonomische und topische Auffassung des Seelenlebens, der Gegensatz „Ich- und Sexualtriebe” als Schauplatz der Neurosen und Psychosen, die Angst als Folgeerscheinung unerledigter Libido. Die Probleme des Ichs waren noch nicht formuliert. Den meisten Teilnehmern stand der Ödipuskomplex noch als Neuerwerb vor Augen; eine Erklärung, die über ihn hinausging, schien nicht nötig. Nur Einzelne haben noch unformulierte Probleme und weiter gehende Lösungen vorgebracht.
Bei voller Einschätzung dieser Leistungen einzelner hat man den Eindruck, daß doch allein des Meisters Methode und vorwiegend seine Befunde verwendet wurden; auch dort, wo ihm widersprochen wurde, war der Widerspruch erst durch seine positive Ansicht möglich geworden. Auch der am meisten widersprechende Teilnehmer, Stekel, konnte nur den Weg Freuds weitergehen, um zur Meinung zu kommen, daß auch die Neurasthenie ausschließlich durch psychogene Mechanismen verursacht werde.
Wenn wir aus allen noch sehr lesenswerten Beiträgen das Positive vereinen, so kommen wir zum Gesamtergebnis, daß wir über die damalige Klärung nicht hinausgekommen sind. Aber in einem sind wir wesentlich weiter: Wir, die Psychoanalytiker selbst, haben die volle Objektivität gegenüber dem Problem erworben. Während damals noch die Schädlichkeit der Onanie gegen unsere Absicht zum Hauptproblem geworden war, kann heute die Bedeutung der Onanie unser unbefangenes Interesse erwecken und die Frage ihrer Schädlichkeit und ihres Nutzens als Teilproblem behandelt werden. Vor 15 Jahren hörte man noch in unserem Kreise Worte wie „Laster” und „fallen”, „Unzucht”, „Abnormität”, auch Ratschläge, durch Aufklärung vorsichtig „abzuschrecken” und vor der Onanie zu