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Unsere moderne Stellung zur Onaniefrage ist das Ergebnis vermehrter und vertiefter analytischer Erfahrung.
Ob eine Onanie genital, extra- oder prägenital ist, ob sie gehemmt oder sorglos und voll befriedigend abläuft, macht einen großen Unterschied in deren Bewertung.
Nicht eigentlich die Onanie gehört in die Pathologie, sondern der Zwang zur Onanie oder die Angst vor ihr und ihren Folgen; diese gehören in die Psychopathologie.
Wichtig zu betonen scheint mir, daß es sozusagen ein physiologisches Minimum an Onanie gibt. Denn ein Ausbleiben der infantilen genitalen Onanie, sei es durch Entwicklungshemmung, sei es durch Einschüchterung, scheint nach Erfahrungen an Kranken ein erstes Zeichen einer unvollkommenen Sexualentwicklung und oft von einschneidender Bedeutung zu sein. Die meisten Ärzte und Erzieher wissen nur die Genitalonanie zu verbieten (am Gliede und der Klitoris) und wissen gar nichts von der Onanie am After, Hodensack, Damm und bei Mädchen vom sitzenden Wetzen mit der unteren Kommissur (Winkel) der Scheide und dem Zusammenpressen der Schenkel. Diese entgehen daher der Beobachtung.
Eine mäßig ausgeübte, in der Latenzzeit unterbrochene, an der dem Geschlecht entsprechenden Leitzone sich abspielende Onanie, ohne wesentliche hypochondrische oder ethische Skrupel und mit vollem Orgasmus ablaufend, zeitigt keine Folgen für Neurose oder Sexualstörung, wenn sie mit nicht perversen, heterosexuellen Phantasien einhergeht. Ob und zu welchem seelischen Problem die Onanie führt, hängt natürlich vom Ichideal des Kindes ab. Ein Glück, wenn sie überhaupt nicht zum Problem wird!
Im Sonderheft „Sexuelle Aufklärung” dieser Zeitschrift hat ein Psychoanalytiker erklärt: „Krankhaft ist nicht, wie allgemein angenommen wird, das Onanieren, sondern das Ausbleiben der Onanie”. Es ist jedoch festzustellen, daß praktisch in vielen Fällen keine Onanie zu beobachten ist, da sie unbemerkt und bald verschwindend gehandhabt wurde, d. h. die Genitalität kann doch erreicht sein, ohne daß klinisc