You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Zwei Dinge bestimmen die Masturbation des Menschen entscheidend: der Kastrationskomplex und ein bisher noch wenig verstandenes Schuldgefühl. All jene, die wegen Onanie mit Entmannung bedroht wurden, sind in diesem Tun fortab gehemmt. Entweder sie können es überhaupt nicht mehr oder machen es in ungeschickter Weise: sie können die Hand nicht mehr zu Hilfe nehmen. Wenn solche Leute nicht masturbieren, so rührt dies nicht daher, daß sie braver sind, sondern weil sie frühzeitig in der Onaniebetätigung gestört wurden. Es ist auch sehr wichtig, ob einer beim Masturbieren erwischt ward oder nicht. In jenem Fall wird er zumindest ausgescholten und hat dann seine Strafe dahin. In diesem hingegen entwickelt sich ein schweres Schuldbewußtsein, das immer wieder zum Geständnis drängt. Aber freilich wirkt noch ein anderes mit, was später ausgeführt werden soll: die Phantasien nämlich. Und auch hier entscheidet, daß man bei diesen nicht erwischt ward, richtiger gesagt, nicht erwischt werden konnte.
Wir wissen, daß der Säuglings- und Kleinkinderonanie kein Sterblicher entgeht, wenn jene gemeinhin auch nur leidend erfahren wird. Die Masturbation der Reifezeit ist ferner so häufig, daß man sie mit Grund geradezu als Regel bezeichnen darf. Gleichwohl gibt es Menschen, die in Wahrheit und ehrlich behaupten dürfen, sie hätten jener Selbstbefriedigung niemals gefrönt, d. h. natürlich in der Pubertät und späteren Kindheit, die von der Erinnerung noch beleuchtet werden. Geht man diesen Fällen nach, so stellt sich heraus, daß auch ihnen kaum je die typischen sexuellen Wünsche fehlten, bloß daß sie nie zur peripheren Reizung der Geschlechtsteile führten. Trotzdem werden die Nervenärzte einer solchen Bravheit nicht recht froh. Lehrt doch die Erfahrung, daß Leute, die einer Pubertätsonanie nicht unterlagen, durchaus nicht die gesündesten sind, vielmehr überwiegend einer schweren Neurose oder gar der Schizophrenie verfallen. Wir sind darum im Verlauf einer psychoanalytischen Behandlung direkt an