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Das Genitale1 ist durch seinen anatomischen Bau charakterisiert als ein Organ, das dem Menschen zahlreiche Empfindungen zu vermitteln hat. Diese sind für leichte Berührungen und Reibungen mit hohem Lustgefühl ausgestattet. So aber kommt der Mensch auf die Welt. Da das Kind in Umhüllungen gehalten wird und sich in ihnen bewegt, muß es unbedingt die Lust erfahren. Lust verlangt nach Wiederholung. So ergibt es sich, daß die Erneuerung dieser Lust sehr bald mittels des feinsten Instrumentes, über das das Kind verfügt, der Hand, gesucht wird, sobald sie eben einigermaßen imstande ist, geordnete Bewegungen auszuführen. Onanie ist also nicht erklärungsbedürftig. Dementsprechend ist bei allen tief stehenden Idioten (ebenso wie bei den Tieren) die Lustbefriedigung durch Reiben des Genitales wichtige Lebensäußerung.
Beim gesunden Kind fehlt bald, wenigstens normalerweise, die aufdringliche Betätigung am Genitale. Hemmungen, wie ich an anderer Stelle gezeigt habe, wohl auf Grund ererbter Mechanismen, durch Erziehungsmaßnahmen aber in — meist übermäßige — Funktion gebracht, lassen die Selbstbefriedigung am Genitale zurücktreten, oft so weit, daß sie überhaupt mit gewöhnlichen Mitteln nicht mehr nachweisbar ist.
Berechtigt scheint die Frage, ob das Kind denn in der Tat auf jede Genitallust verzichtet hat, und auf Grund welcher anderen körperlichen Lustgewinne das Verschwinden erfolgt. Denn auf Lust wird nur zugunsten einer anderen Lust Verzicht geleistet, und in diesen frühesten Lebenszeiten, von denen wir hier sprechen, gibt es noch kaum „entkörperlichte” geistige Lustmöglichkeiten.
In weitaus den meisten Fällen finden wir Lustgewinne noch aus dem Genitale, allerdings nicht mehr so unverhüllt wie beim Idioten, ruhig weiter bestehend. Das Verbot der Selbstbefriedigung, das ungefähr so gelautet hat: „Tu’ deine Hände da unten weg!”, wird, wie die meisten Verbote, nur wörtlich befolgt. An Stelle der Hände treten einfach Schenkel, Kleider, Stuhlecken, Bettstücke usw. Der Befehl z. B.,