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Die völlig „neuen” Tatsachen über das Kind und seine Entwicklung, die uns durch Freuds „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie” bekannt geworden sind, dringen nach und nach durch. Die Erwachsenen können, auch wenn sie die Psychoanalyse ablehnen, nicht länger blind sein für die Äußerungen der kindlichen Sexualität, nachdem es einer gewagt hat, eine jahrhundertealte Illusion zu zerstören und auf Erscheinungen hinzuweisen, die jeder beobachten und nachprüfen kann, der mit der Jugend zu tun hat.
Die Schule aber, so heißt ein Wort, hinkt dem Leben nach. Dem Lehrer ist am wohlsten, wenn er von der Sexualentwicklung seiner Zöglinge ebensowenig merkt, wie diejenigen, die noch völlig in der Illusion von der „Unschuld” und „Reinheit” der Jugend leben. Er hat gute Gründe, sich so zu stellen. Wir wollen später darauf zurückkommen. Vorläufig dürfte uns klar sein, daß die Lehrerschaft, welche sich bestrebt, vom sexuellen Leben der Jugend nichts zu merken, auch von der Onanie der Kinder gar nichts ahnt. Und wo ein „Fall” entdeckt wird, weiß sich die praktische Pädagogik — heute noch — nicht anders zu helfen, als daß sie in ihrer Angst mehr oder weniger große Dummheiten begeht und den Kindern dadurch unendlich schadet, obgleich Freud1 gezeigt hat, daß die Jugend während drei Entwicklungsphasen mit großer Wahrscheinlichkeit der Onanie erliegt, und obgleich Ferenczi,2 Federn3 und Reich4 durch ihre Publikationen vermuten lassen, daß es sich bei den Ausnahmefällen, wo ein junger Mensch im Pubertätsalter der Versuchung der Selbstbefriedigung dauernd widersteht, meist um Leute handelt, die schon zu diesem Zeitpunkt an schwersten Verdrängungen leiden. Anders gesagt, daß ihre „Reinheit” keine freiwillige ist, keine sittliche Tat bedeutet, sondern eine Manifestierung ihrer bereits begonnenen Neurose.