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Die Verschränkung des Onanie- und Kastrationskomplexes, schon im Bewußtsein meist eine ungemein enge, kann im Unbewußten sich bis zum Grade der Vollständigkeit auswachsen, so daß ein Komplex für den anderen zu stehen kommt.
Fast regelmäßig läßt sich die Kastrationsfurcht auf ein traumatisches Erlebnis zurückführen: Der kleine Knabe nimmt sein Händchen unter die Bettdecke, „spielt” mit seinem Gliedchen, wird von der Warteperson ertappt, gewarnt, auch etwa aufs böse Händchen geschlagen, ja, es wird dem Kleinen gedroht, daß man das „Ding” abschneide, daß der Rabe oder der Mops oder die Katze komme und es abbeiße.
Aber auch dort, wo dem Kinde keine Erinnerungen an derartige Vorkommnisse auftauchen, auch dort, wo die Eltern versichern, nie solche läppische Schreckmittel angewendet zu haben, bilden Onanie und Kastration in der Psyche ein Ganzes, das untrennbar erscheint. Wir wissen aus tausend Erfahrungen, daß in solchen Dingen kein Verlaß auf die menschlichen Erinnerungen besteht. Freilich, das Unbewußte vergißt nichts, vergißt nicht einmal, was Generationen und Generationen vor uns „gesündigt” haben.
Ich will über einen solchen Fall berichten, bei dem weder der zu behandelnde Knabe noch seine Eltern sich an den Ausspruch einer Kastrationsdrohung erinnern können.
Erwin ist ein kränklicher Knabe, der seinen Eltern viel Sorge bereitet. Die Mutter übergibt mir eine Liste der von ihm schon erlittenen Krankheiten: Dreimal Lungenentzündung, Mittelohrentzündung, mehrmals Masern, spitze Blattern, häufig Halsschmerzen, Katarrh. Er leidet ferner an einem Augentic und zeigt häufig nervöse Zuckungen im Gesicht.
Erwin hat für sein Alter von zehn Jahren eine außergewöhnliche Krankheitseinsicht und einen starken Gesundungswillen. Er erzählt zu Anfang der Analyse folgenden Traum:
„Papa geht aufs ‚Schänzli’, um Musik zu machen. Er will mich nicht mitnehmen, aber ich bin dann mit Mama doch dort. Plötzlich befinden sich Papa und ich wieder daheim. Papa geht ins Schlafzimmer und ‚schoppt’ (presse