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Wer die Psychoanalyse mehr als oberflächlich kennt, darf füglich erstaunt sein, daß das bündige „Nein” auf diese Frage von niemandem geglaubt wird. Nachdrücklich hat Freud, der es doch eigentlich wissen müßte, seine Psychoanalyse als Heilbehandlung, als Forschungsmethode und als Summe von Ergebnissen wissenschaftlichen Nachdenkens über seelische Tatsachen hingestellt. Die Feinde und auch viele Freunde der Psychoanalyse bleiben bei ihrer Überzeugung, daß diese Freudsche Lehre mehr sei als Wissenschaft, daß sie Philosophie, Weltanschauung, Religion sei oder doch werden wolle. Es mag sich daher empfehlen, die Tatsache anzuerkennen, daß es neben der Freudschen Wissenschaft Psychoanalyse noch eine „Psychoanalyse” gibt, die Weltanschauung mindestens sein möchte. Aus dieser Anerkennung ergibt sich vielleicht die Möglichkeit einer wirksameren Widerlegung oder Bekämpfung. Denn offen sei es einleitend gestanden, die „Weltanschauung Psychoanalyse” ist ein unsympathisches und gefährliches Ding, vor dem der Kreis psychoanalytischer Pädagogen möglichst geschützt bleiben möge!
Es ist also „etwas dran” an dem Ruf nach der Weltanschauung Psychoanalyse, an der Behauptung, die Psychoanalyse sei mehr als eine „gewöhnliche Psychologie”. Richtig ist: Niemand nimmt die Ergebnisse der Psychoanalyse so zur Kenntnis, wie man andere naturwissenschaftliche Forschungsresultate als anregende, meinethalben sogar als aufregende, neue Einsichten in das Gebäude (gelegentlich Labyrinth) seines Wissens einordnet. Die Psychoanalyse drängt jeden, ein recht beträchtliches Stück Welt nicht nur neu zu sehen, sondern auch neu zu werten, und in dieser neu gesehenen, neu gewerteten Welt auch neuartig zu handeln.