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Die Psychoanalyse hat an sich zunächst mit Weltanschauung nichts zu tun. Sie ist in erster Linie ein Hilfsmittel für den Arzt, um den seelischen Zustand im gegebenen Einzelfall zu erforschen. Ihre Methode und ihre Voraussetzungen unterstehen in diesem Sinne keinen anderen Kriterien als denen der Dienlichkeit für ihren Zweck. Ob der Psychoanalytiker im Zusammenhange seiner Theorie von einer gegenständlichen Wahrheit oder von einer haltlosen Fiktion ausgeht, das hat nichts zu sagen; denn es ist offenbar, daß auch Fiktionen zu äußerst fruchtbarer heuristischer Bedeutung gelangen können, und darauf allein kommt es an. Etwas anderes ist es freilich, wenn die Grundlagen einer Theorie um ihrer Dienlichkeit für ein besonderes Gebiet willen unbesehen auch auf ein anderes Gebiet übertragen werden. Diese Möglichkeit aber liegt für die Psychoanalyse insofern vor, als in ihr der Anreiz gegeben ist, nicht nur diejenigen seelischen Zustände, die der ärztlichen Beurteilung unterstehen, nach ihren Grundideen zu beurteilen, sondern auch diejenigen, die der Erzieher unter den ethischen Gesichtspunkt zu stellen gewöhnt ist. Es ergibt sich daher die Frage: In welchem Verhältnis steht die Psychoanalyse zur Ethik?
Die Psychoanalyse geht etwa auf folgende Grundgedanken zurück: Das, was den Menschen in seiner seelischen Verfassung, in seiner Einstellung zum Leben und damit in den Motivationen seines Handelns wesentlich bestimmt, liegt nach dem Pole des Unbewußten hin. Das Bewußtsein