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1909 hat Ferdinand Avenarius die erste Auflage dieses Sammelwerkes herausgegeben. Es ist das Ergebnis eines Preisausschreibens, an dem sich vorwiegend Eltern und Lehrer beteiligten. Die Neuauflage 1926 hat Wolfgang Schumann besorgt. Es sind einige Beiträge der ersten Auflage fortgelassen und einige neue hinzugefügt worden. Bei der Länge der Zwischenzeit bedeutet das, daß die damals „Aufzuklärenden” heute als Erwachsene Stellung zur Aufklärung und den übrigen Fragen der geschlechtlichen Erziehung nehmen. Diese Stellung aber ist so grundverschieden von der ihrer Eltern und Erzieher, daß wohl selten der Unterschied zwischen Vor- und Nachkriegsgeneration deutlicher zutage treten kann als in diesem — Hausbuch. Ist es aber noch ein Hausbuch, wenn die Verfasser von 1926 die von 1909 ablehnen, z. T. in recht scharfer Weise verspotten wie Albert Trentini? Das Buch ist außerordentlich interessant als Sammelwerk von Meinungen über geschlechtliche Erziehung, speziell über die Form der Aufklärung. Aber es muß mit seinen beiden einander widersprechenden Teilen ein hoffnungsloses Durcheinander anrichten in den Köpfen von Eltern, die hier wirklich eines Rates bedürftig sind.
Die Beiträge von 1909 handeln im wesentlichen von der Belehrung über die Herkunft der kleinen Kinder und sind zum größten Teil von Eltern geschrieben, die erzählen, wie sie „es” gemacht haben. Gewöhnlich etwa so: daß man in einer „Feierstunde” mit gewählten Worten einen langen biologischen Vortrag hält, beginnend mit einem Äpflein oder Blümchen und endend bei den furchtbaren Schmerzen der Mutter, weshalb man Mütterchen nun auch immer lieb haben und immer brav sein muß. Der Artikel von Robert Theuermeister heißt geradezu: „Warum wir Vater und Mutter recht lieb haben müssen.” Wenn man diese Artikel, natürlich nicht alle, aber doch die meisten, kritisch ansieht, so kommt man auf den einen egoistischen Grund, der die Eltern zur Aufklärung führt: die Dankbarkeit, die Liebe des Kindes zu binden. Bei der Mutter gelingt