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Die Psychoanalyse Erwachsener hat das Märchen von der „glücklichen Kindheit” gründlich zerstört und — ganz im Gegensatze zur herrschenden Anschauung — die ungeheuren Schwierigkeiten der Lage des Kindes aufgezeigt.
Jeder Mensch, der mit Kindern zu tun hat, müßte durch die Lehren der Psychoanalyse aufgerüttelt werden. Aber die landläufige „moderne Pädagogik” glaubt noch mit didaktischen Reformen des Schulunterrichtes und mit Fürsorgemaßnahmen für die sozial schlechter gestellten Kinder ihr Auslangen zu finden.
Unser Verhalten dem Kinde gegenüber ist eine seltsame Mischung: teils behandeln wir es „wie ein Kind”, teils stellen wir ungeheure moralische Ansprüche, die wir kaum an einen Erwachsenen stellen würden. Aber dem Kinde gegenüber ist es ja auch etwas anderes: Nötigenfalls können wir unsere Forderungen auch mittels unserer Autorität, d. h. mittels Gewalt durchsetzen.
Was heißt das, „wie ein Kind behandeln”? Wie ein Wesen, das in seiner eigenen gesetzlosen Welt lebt, das keine Pflichten, aber auch keine Rechte hat. „Jemanden wie ein kleines Kind behandeln”, diese Redensart bezeichnet eine unwürdige Behandlung, eine Behandlung, gegen die sich jeder Erwachsene wehrt. Aber dem Kinde gegenüber hält man sie durchaus am Platze. Ja, warum denn? Einfach deswegen, weil es ein Kind ist.
Dies wäre die Aufgabe der Pädagogik: Zwischen dem Kinde, dem Outsider, einerseits und der Gesellschaft andererseits zu vermitteln. Aber heute heißt Erziehung nichts anderes als das rücksichtslose Eintreiben aller Forderungen, die die Gesellschaft an das Kind stellt.
Gewiß, die Lage des Kindes ist überaus schwer, aber das Kind ist im Besitze einer ungeheuren Vitalität. Nur verstehen wir es nicht, diese Kräfte für uns, d. h. für die Forderungen, die die Erziehung stellen muß, heranzuziehen. Wir kennen ihre Stärke meist nur aus dem Widerstand, den die Erziehung zu „brechen” hat. Dazu kommt, daß die Unterdrückung unter dem Deckmantel der Liebe häufiger und folgenschwerer als alles andere für das Kind i