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Die psychoanalytische Forschung hat das Stottern als Zentralsymptom einer neurotischen Erkrankung beschrieben und zu erklären versucht. Eine solche Erkrankung hat als Ursache eine „historische Reaktionsbasis”, die sich während der Entwicklung des Menschen aus ungelösten und verdrängten und damit unbewußt gewordenen seelischen Konflikten gebildet hat. Diese sind dadurch entstanden, daß auf die Befriedigung von Wünschen nicht hat verzichtet werden können, wie das die fortschreitende Entwicklung oder Erziehung und Umwelt verlangten. Ein solcher Konflikt enthält drei zusammenwirkende Faktoren: den Wunsch mit dem Streben nach Befriedigung; die von der Entwicklung und der Erziehung gesetzte Abwehr, die sich dem Wunsche wie ein Verbot entgegenstellt; und zwischen beiden eine Spannung, ein Schuldgefühl mit Straferwartung. Ein solcher Gewissenskonflikt bedeutet eine schwere Belastung für das Bewußtsein, weshalb durch die Verdrängung eine Entlastung gesucht wird. Jedes neue Vordrängen des Wunsches aus dem Unbewußten würde Strafangst auslösen, weshalb der Verdrängungsvorgang fortgesetzt aufrecht erhalten wird.
Die psychoanalytische Behandlung sucht den Verdrängungsvorgang rückgängig zu machen und den Konflikt der bewußten Verarbeitung der endgültigen Lösung und Erledigung zuzuführen. Auch die Symptombildung erstrebt dasselbe. Nur wird die Lösung unter Umgehung des Bewußtseins gesucht. Dadurch wird aber die Schuldangst nicht behoben. Die Lösung wird nicht zur Erlösung und bleibt nur eine vorgetäuschte. Das neurotische Symptom gestattet eine Ersatzbefriedigung des Wunsches, aber nur unter der Bedingung, daß auch das Verbot zum Ausdruck kommt und das Schuldgefühl in einer Ersatzstrafe verarbeitet wird. Dieses Erleiden, es ist das Krankheitserlebnis, ermöglicht dann die Wunschbefriedigung. So wird das neurotische Symptom zur entstellten Darstellung des unbewußten Konflikts mit Wunsch, Verbot und Schuldgefühl. Diese Darstellung als Lösungsversuch, das ist der Sinn des neurotischen