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Das Problem, wie man Stottern verhindert und warum ein bestimmtes Individuum Stotterer wird, ist nicht nur schwierig zu lösen, sondern hat auch meines Wissens praktisch noch keine Erwähnung oder Diskussion in der Literatur gefunden. Die Beantwortung dieser Frage wird dazu beitragen, ein Problem von großer praktischer Bedeutung zu lösen, nicht nur was die Verhütung der Stotterneurose betrifft, sondern auch warum ein bestimmtes Individuum Stotterer wird, und warum ein anderes oft in derselben Familie frei von jedem Sprachfehler ist. Diese Fragen lassen sich mit einer gewissen Sicherheit beantworten, wenn man die in diesem Buche entwickelten Theorien über das Stottern zugrunde legt. Denn kennt man die Ursache des Stotterns, so kann man Maßnahmen dagegen ergreifen und bei einem Kinde, das zum Stottern neigt, der Krankheit zuvorkommen.
Die Verhinderung des Stotterns ist eine individuelle Aufgabe. Schon in einer früheren Abhandlung2 wurde nachgewiesen: „Wenn in der analytischen Arbeit mit Erwachsenen die vergangene Kindheit wieder belebt wird, stoßen wir auf die Tatsache von der tiefen Verankerung der frühen Eindrüicke, die hinter den späteren Charakterzügen verborgen sind, und die das sind, was wir die Vorgeschichte der Neurose nennen können.” Beim Stottern liegt die Vorgeschichte der Neurose, ihre genetische Psychologie, in der Orallibido, die eine der frühesten Stufen der prägenitalen Organisation ist. Infolgedessen ist es ebensosehr ein medizinisches wie ein pädagogisches Problem, wie dem Stottern zuvorzukommen ist. Ein Kind zu beaufsichtigen, ist nicht so leicht, wie man es sich gewöhnlich vorstellt. Die sogenannte „plastische Periode” der Kindheit ist, im Gegensatz zu der Meinung der meisten Eltern und Erzieher, für die Erziehung ganz besonders schwierig; denn gerade während dieser Zeit ist das bewußte und das unbewußte Seelenleben aufs engste mit den frühen Fixierungen und Ichidealen verknüpft, die durch den engen Familienzusammenhang gegeben sind. Das Symptom des S