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Sie werden fragen, was ich, der Psychiater und Psychoanalytiker, Ihnen als Erziehern, zu sagen habe. Ich bin kein Lehrer und habe keine Erfahrung in der Behandlung von Kindergruppen, und mancher von Ihnen möchte geneigt sein, zu meinen, daß es eine Zeitverschwendung sei, einem solchen Außenseiter zuzuhören. Doch dies wäre ein Irrtum, denn gerade in meiner Eigenschaft als Psychiater und Psychoanalytiker bin ich ein Erzieher. Ich habe ebenso wie Sie mit Kindern zu tun, nur mit einem Unterschied: Ihre Kinder stehen im Alter zwischen fünf und zehn Jahren, die meinigen in einem zwischen fünf und siebzig Jahren. Meine Kinder sind größtenteils Erwachsene, die an infantilen Fixierungen oder an unglücklichen Regressionen in der Kindheit leiden. Der erwachsene Neurotiker — der Zögling des Psychoanalytikers — kämpft noch in reifem Alter mit den Problemen seiner Kindheit.
Das Material, mit dem es der Psychotherapeut zu tun hat, setzt sich aus an Psychoneurosen erkrankten Menschen zusammen. Sie alle wissen, was man unter den Ausdrücken Hysterie, Phobie, Zwangsneurose, Paranoia usw. versteht. Die an diesen Krankheitszuständen leidenden Personen sind oft geistig hoch entwickelt oder nehmen eine hohe soziale Stellung ein. Manchen von ihnen gelingt es, während einer langen Zeit ihre Leiden und Symptome zu verheimlichen. Einige tun dies aus Schonung für ihre Angehörigen, andere betrachten ihre Symptome als lediglich „absonderliche Gewohnheiten” und kämpfen gegen sie an, so lange es ihnen möglich ist. Manche schämen sich intensiv ihrer Symptome. Wenn man ihnen aber eine Atmosphäre schafft, die sie befähigt, frei und vertrauensvoll mitzuteilen, was sie im Innern erleiden, was wir Analytiker wirklich auch