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Ein etwa 25jähriger Kaufmann berichtet mir aus seiner Schulzeit, daß er einen seiner Lehrer glühend haßte, weil er sich von dem betreffenden Pädagogen ganz unverstanden und höchst ungerecht behandelt fühlte. So habe der Knabe beispielsweise für genau gleich viele richtige Rechenlösungen bedeutend schlechtere Noten erhalten als seine Mitschüler. Auch
sei er während Klausurarbeiten, wo er seine Begabung hätte zeigen können, vom Lehrer absichtlich zu Botengängen verwendet worden, damit er sich nicht die ihm zukommenden Zeugnisnoten verdienen konnte. Einst habe der Junge, sozusagen ohne eigene Schuld, Veranlassung zu einem kleinen Unfall eines Kameraden gegeben; dafür habe ihn der Lehrer ohne vorhergehendes Verhör hart mit dem Stocke gezüchtigt usw. In dem frühen Verlust des Vaters suchte der junge Mann den Grund für dieses anfechtbare pädagogische Verhalten; der Lehrer hätte, seiner Meinung nach, sonst nicht gewagt, ihn so ungerecht zu behandeln. — Als glänzendes Gegenstück erwähnt er einen zweiten Lehrer, welcher an der gleichen Klasse wirkte. Nach dem Tode des Vaters habe dieser Erzieher ein paar herzliche Worte an den Knaben gerichtet und ihn seines Rates und seiner Hilfe in allen Lebenslagen versichert. Für diesen Lehrer wäre der Junge durchs Feuer gegangen.
Diese Haß- und Trotzeinstellung des Schülers blieb natürlich nicht ohne entsprechende Früchte. Er war bei seinen Kameraden tonangebend und bildete infolgedessen den Sammelpunkt für alle offenen und geheimen Haßregungen der Klasse, betätigte sich auch als Aufwiegler und sorgte nach allen Kräften dafür, sich beim Lehrer möglichst unbeliebt zu machen. Im Kreise der ganzen Schülerschaft hätte ihn der Lehrer anläßlich einer Schlußfeier nachträglich um Verzeihung für etwaige pädagogische Mißgriffe und Ungerechtigkeiten gebeten. Diese versöhnliche Geste hätte der damals 15jährige Bursche aber nur mit offenem Hohn erwidert. Eine mehrere Jahre später erfolgende Erkundigung des Lehrers nach dem Ergehen des jungen Mannes