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Unter den vielen Beispielen von Kinderverbrechen, die sich verstreut in der Literatur vorfinden, scheint mir, daß eine Gruppe, die der Kinderverleumdungen, leicht zu durchblicken sei. Sie hat auch dadurch besondere Bedeutung, daß solche Verleumdungen oft zu schweren Irrtümern der Großen führten, die, vertrauend auf ihre Menschenkenntnis, aus dem sicheren Auftreten jener kindlichen Missetäter einen Rückschluß auf die völlige Wahrheit
ihrer Behauptungen zogen. Ich will im folgenden drei Fälle anführen, die für jeden psychoanalytisch Geschulten durchsichtig sind, und diese Fälle nach ihrer Verständlichkeit aufsteigend ordnen.
In „Das Sexualleben unserer Zeit” bringt Iwan Bloch die hochinteressante Autobiographie eines Sadomasochisten, der das Prinzip seiner Perversion auf solche Art begründet:
„Alle meine Gespielen und Gespielinnen hatten die Sucht, sich gegenseitig Possen zu spielen, einander bei den Eltern zu verklatschen und zu verleumden, in jeder Weise zu quälen und dann durch doppelte Liebe alles wieder gutzumachen. Anderseits bemerkte ich, daß kein Kind ein anderes liebte, von dem es nicht gequält wurde. Solche standen sich gleichgültig gegenüber. In dieser gegenseitigen Qual und dem Gequält werden mußte also von Natur aus ein gewisser Reiz, eine Lust liegen. Diese war das Sichvertiefen, Sichhineindenken, Mitfühlen des Schmerzes anderer. Das ist kein Sadismus — den gibt's überhaupt nicht — sondern nur verfeinerter Masochismus; denn man bereitet Schmerzen, um sie mitfühlen, also selbst empfinden zu können.”
Ohne mich auf die Richtigkeit dieser These irgendwie festzulegen, will ich doch bemerken, daß die Erfahrung tatsächlich bestätigt, es gäbe wohl kaum einen Sadismus ohne Masochismus und natürlich auch umgekehrt, so daß wir wohl besser und allgemein vom sadomasochistischen Komplexe reden. Bemerkenswert dünkt mich, daß unser Autor als Haupttriebfeder der Kinderverleumdungen den vorgenannten Komplex bezeichnet. Dann fährt er fort:
„Wie oft verleumdete ich andere Kind