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Zulligers Buch „Aus dem unbewußten Seelenleben unserer Schuljugend” ist als Heft 9 der Sammlung „Schriften zur Seelenkunde und Erziehungskunst” erschienen, die von Dr. Pfister herausgegeben wird. Wieder (vgl. die Besprechung von Zulliger „Gelöste Fesseln” in dieser Zeitschrift II. Jg., Heft 1) erzählt Zulliger aus seiner Tätigkeit mit all der lebendigen Anschaulichkeit, die ihm eigen ist. Wieder sind es scheinbar nur zufällige praktische Erlebnisse, und doch vermittelt das kleine Heft soviel theoretisches Wissen, daß es jedem Erzieher, den Eltern wie den Lehrern, dringend empfohlen sei.
Da sind die Kinder mit ihren mangelhaften Leistungen, ihrem Träumen, ihrem Zuspätkommen. Aber für Zulliger sind sie dann nicht — wie bei den meisten Lehrern — dumm, faul und liederlich, sondern er weiß, daß da eine Störung der seelischen Entwicklung wirkt, der man nur mit Liebe, Geduld und vor allem dem nötigen Wissen um seelisches Geschehen begegnen kann. „Der Pädagoge, der die psychoanalytischen Errungenschaften kennt, wird seine Zöglinge besser verstehen, anders beurteilen, anders behandeln und vor allem solche erzieherischen Hilfen vermeiden, die einen Fehler nur noch verschlimmern.”
So lehnt Zulliger selbstverständlich jede Strafe ab. Das einzige negative Erziehungsmittel, das er kennt, ist der Liebeentzug. „Sicher ist Liebeentzug die einzige Form von Strafe, die Berechtigung hat (die keine Vergewaltigung ist) … Nichtmehrbeachtung durch den geliebten Lehrer kann dem Kinde nicht gleichgültig sein. Aber als Drohung spreche ich meine Absicht nicht aus. Drohpolitik verrät immer Schwäche.”