You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Antwort auf Frage Nr. 10 in Heft 10 des vorigen Jahrganges. Sie lautete: „Ist es ratsam, daß sich Eltern ihren Kindern unbekleidet zeigen? Oder besser nur die Mutter dem Mädchen, der Vater dem kleinen Sohn? Oder besser gar nicht?”
Die Frage, ob sich die Eltern ihren Kindern nackt zeigen dürfen, wird im Zeitalter der Nacktkultur in Erziehungsberatungsfällen von gewissenhaften Vätern und Müttern nicht selten gestellt.
Häufig ist jedoch die Frage anders als rein sachlich begründet. Vom psychoanalytisch orientierten Fachmann wird erwartet, daß er selbstverständlich aussage, das Sichnacktzeigen der Erwachsenen vor den Kindern habe nicht nur keinen schädigenden Einfluß, es sei eher dazu anzuraten aus Gründen der „Natürlichkeit”. Man sucht einfach — gewöhnlich in einem Streitfalle mit einem Partner, der in den meisten Fällen der anders meinende Gatte oder die gegenteilig urteilende Gattin ist — Bestätigung, und man erhofft von dem heimlich oder unheimlich als „Pansexualist” verschrienen Psychoanalytiker entsprechende „wissenschaftliche” Beweisführung als Unterlage seiner eigenen, weniger wissenschaftlichen und mehr affektiv bestimmten oder begründeten Ansicht.
Daß hinter einer, wenn auch pseudowissenschaftlich oder mit den Leit- und Grundsätzen einer „Bewegung” unterlegten, positiven Einstellung zur Nacktkultur vor den Kindern affektive Motive versteckt sind, das zeigt sich einem jeden dann, wenn er nicht ohne weiteres auf die „lebensreformerischen” Ansichten des jungen Ehemannes und Vaters X. oder seiner Gattin begeistert eingeht, sondern seine Bedenken äußert.
Das Sichnacktzeigen vor den Kindern wird dann in einer Art verteidigt, daß man bald merkt, man hat ein Glaubensbekenntnis in Zweifel gesetzt oder verletzt. Und um nicht einen Kulturkampf heraufzubeschwören einesteils, andernteils, weil man vielleicht vorläufig noch nichts Abschließendes aussagen kann, ist man geneigt, den Fragern mit einem Achselzucken auszuweichen und zu sagen: „Es tut mir leid, ich kann Ihnen kein U