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Die sexuelle Aufklärung marschiert. Das Sterbestündlein des Storchenmärchens hat endgültig geschlagen. Zunächst freilich tritt an seine Stelle nicht viel mehr als ein neues Märchen. Man lüftet in möglichst verschleierter und poetisch verbrämter Form einen Zipfel des Vorhanges und erschließt damit dem grübelnden Forschen der Kinderseele den Ausblick auf neue, weite und erschreckende Fragengebiete, um sie dann doch im Entscheidenden unbefriedigt und scheu und verängstigt stehen zu lassen. Des Kindes Stellung zum Erwachsenen erfährt eine leise Besserung. Es fühlt sich nicht mehr bewußt belogen, es sieht, der Erwachsene möchte mir zwar die Wahrheit sagen, aber diese Wahrheit ist eben so schaurig, so unaussprechbar, daß man am besten tut, gar nicht daran zu rühren. Und ich — wie schlecht, wie verworfen bin ich, daß meine Gedanken immer wieder darum kreisen, daß das, wovon die Mutter, der Vater, der erwachsene Freund mit so schönen und weihevollen Worten sprechen, bei mir so quälend häßliche und beschämende Formen annimmt.
Dem ernsten Erzieher bleiben diese Vorgänge nicht verschlossen. Wenn er dem Kinde wirklich helfen will, kann er bei dieser Teilchenwahrheit nicht stehen bleiben. Aus den poetischen Märchen werden schlichte und sachliche Erörterungen und Darstellungen. Damit ist etwas Entscheidendes geschehen. Das Kind fühlt Boden unter den Füßen, es bekommt Mut zu fragen und gewinnt Ruhe und Sicherheit. Aber es hat einen Umweg gemacht, der es in Angst und Verwirrung brachte und den eine kluge und bewußte Erziehung ihm erspart.