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Ein weniges über die Nacktheit von gestern; heute ist ja darin vieles anders geworden in Schule und Haus.
Hätte man uns als Kinder nur das Wort „Nacktheit” genannt, viele wären rot geworden bis hinter die Ohren, andere hätten ein lüsternes Gesicht gemacht; unbefangen aber hätte keiner es aufgenommen. Nacktheit war Schweinerei; Schweinerei war Todsünde, und hinter der stand die Hölle mit all ihren Schrecken.
Bei uns Katholiken stand und steht heute noch im Kinderbeichtspiegel: Habe ich etwas Unkeusches freiwillig angesehen? Es steht da, dick gedruckt, das Zeichen der Todsünde.
Unkeusch alles: Der kleine Junge, der lustig an einer Straßenecke sein Wässerlein verspritzt; die stillende Mutter; badende Kinder; nicht zuletzt die gesamte sich begattende Tierwelt; selbst die Gottheiten in der Kunstgeschichte, die uns unsere überempfindsame Schulschwester nur in eigener wunderhübscher Bemalung vorführte.
Wie raste man da als kleines Ding fort, wenn eines der vielen anstößigen Dinge einem in den Weg kam! Wie ängstigte man sich an den kritischen Hundetagen! Wie betete man voll Inbrunst, Gott möge einem die Augen mit Blindheit schlagen gegen diese gräßlich unkeuschen Anblicke! War es da ein Wunder, wenn man als Fünfjähriges sich zitternd mit seinem nackten Hinterteilchen an die Wand der Badezelle drückte, weil man sich vor der älteren Gefährtin, die im Badeanzug unter der Brause stand, seiner Nacktheit bewußt wurde und sich zu Tränen schämte? Wenn man als Siebenjähriges nicht ohne Badeanzug in die Badewanne mehr gehen wollte, und immer ängstlich war, die Zimmertüre sei offen und eines der Geschwister könne einen sehen.
Man wuchs heran und lernte, daß Nacktheit und Häßlichkeit gleichbedeutend seien. Unser Lyzeum wurde von Klosterschwestern geleitet, darum war es wohl besonders streng, ja eng in all diesen Dingen. Ich wurde als Zwölfjähriges gescholten, weil ich noch Halbstrümpfe trug; es sei unanständig, seine nackten Beine zu zeigen; und bekam von der Schwester die Kielerbluse bis z