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Es ist eine bekannte Tatsache, daß das Nacktliegen schon den ganz kleinen Kindern ein großes Vergnügen bereitet und daß selbst Säuglinge oft mit sehr viel List das lustvolle Nacktsein durchzusetzen verstehen. Die Bewunderung, die dem kindlichen Körper seitens der Mutter oder irgendeiner Pflegeperson zuteil wird, vermag später die Freude zu vergrößern und gar bald die Nacktheit als etwas Köstliches empfinden zu lassen, das nicht nur das Kind selbst, sondern auch die Erwachsenen erfreut. So gewinnt das Entblößen eine Doppelfunktion. Von der Schamhaftigkeit weiß das Kind noch lange nichts, stellt seinen Körper gern und absichtlich so oft als nur möglich zur Schau. In der Stadt ist dies wohl nur selten oder bloß im Familien- oder Bekanntenkreise möglich, da die fürsorgliche Mutter der Kleidung ihres Lieblings besondere Aufmerksamkeit zuwendet, aber auf dem Lande, wo die Kinder vor den Bauernhöfen bis ins vierte Jahr und darüber hinaus oft nur mit einem ganz kurzen Hemdchen, das bloß die Brust bedeckt, herumtollen, ist die Exhibition an der Tagesordnung. Wandert ein Fremder vorbei, so gaffen ihn die kleinen Halbadamiten mit wahrhaft paradiesischer Unschuld an oder strecken „schamhaft” den Arm vors Gesichtchen. Immerhin kommt es auch vor, daß die Kinder auf ihre Nacktheit eigens aufmerksam machen.
Beob. 1: H. Gl., der dreijährige Sohn einer Russin und eines deutschen Anstreichermeisters, fährt, wenn er sich beobachtet sieht, mit dem rechten Händchen nach seinem Gliede und hebt es in die Höhe.
Aber nicht jedermann darf dieses Geschenkes teilhaftig werden, und vielleicht handelt es sich bereits um eine höhere Stufe, wenn das Kind durch seine Entblößung nur geliebte Personen beglückt.
Beob. 2: Burli, mein kleiner Neffe, vier Jahre alt, ist über meinen Besuch toll vor Freude und weiß nicht, was er tun soll. Als er abends ins Bett wandern muß und ich noch einmal zu ihm trete, springt er auf, zerrt sein Höschen herab, zeigt
Page 91mir das Gesäß und meint: „Da schau!” Noch ein zweites Ma