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Als Ruth drei Jahre alt war, wurde sie gelegentlich der zweiten Schwangerschaft der Mutter über die Herkunft der Kinder aufgeklärt. Sie wollte sofort wissen, wo die Kinder herauskommen. Sie selbst hatte natürlich die Vorstellung, daß sich der Nabel öffne oder der Bauch aufgeschnitten werden müsse. Wenige Tage später trat sie selbst mit neuen Problemen an die Eltern heran. Sie blieb auf einem Spaziergang plötzlich mitten am Wege stehen, hob ihr Kleidchen in die Höhe und demonstrierte ihre Genitalien mit den Worten: „Da, schau mein Wipfi an!” Es stellte sich nun heraus, daß ihr Freund, ein sechsjähriger, sehr verschüchterter Junge, anscheinend aus eigenen Nöten heraus, ihr Genitale gründlichst untersucht und gesagt hatte, „es” (nämlich die Klitoris) werde schon wachsen. Ruth wurde berichtigt. Sie aber war verzweifelt, weinte bitterlich und wollte die Wahrheit nicht zur Kenntnis nehmen. Sie verstieg sich bis zu der Behauptung: „Es gibt ja gar keine Mäderln.” Auch das Versprechen, daß sie später, so wie die Mutter, Kinder bekommen werde, daß ihr die Brüste wachsen würden, tröstete sie nicht. In ihrem Schmerz prophezeite sie, daß sie dafür immer am Daumen lutschen werde, was sie auch bis jetzt, mehr als anderthalb Jahre lang, getreulich gehalten hat. Dann begann sie sofort vom „Wipfi-Abbeißen” und „Wipfi-Verschlucken” zu phantasieren und ununterbrochen Abschneiden, etwa Gras- oder Brotabschneiden, zu spielen. In den nächsten Tagen versuchte sie wiederholt, den Vater auf die Genitalien zu schlagen. Man sprach viel und eindringlich mit ihr über den Geschlechtsunterschied, und allmählich begann sie sich damit abzufinden, daß sie kein Wipfi, wohl aber ein „Betterl im Bauch” und „drei Locherln” habe. Sie wollte sich nun überzeugen, ob es denn wahr sei, daß alle Frauen, im Gegensatz zu den Männern, kein Wipfi hätten. Bei dieser Gelegenheit zeigten sich die Eltern zum erstenmal dem Kinde nackt. Später kam es sehr häufig vor, daß Ruth etwa ins Badezimmer kam, wenn sich die Elter