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„Das auffällige Kind” ist, als Arbeitsergebnis einer von Dr. H. Winkler geleiteten Arbeitsgemeinschaft, erschienen im 16. Band der Pädagogisch-Psychologischen Arbeiten aus dem Institut des Leipziger Lehrervereins. Die Arbeit ist ein charakteristischer Beitrag dafür, daß man 1) zu einer Psychologie der pädagogischen Praxis die experimentelle Psychologie wenig gebrauchen kann, daß man 2) ohne psychoanalytische Hilfe vor einem unentwirrbaren Chaos steht, wie die Psychiatrie vor Freud, und daß es 3) nicht genügt, zur Entwirrung dieses Chaos einige psychoanalytische Schriften anzugeben und einige ihrer Ergebnisse zu verwerten. (Immerhin registrieren wir als Novum in den Erscheinungen des Instituts, daß unter 53 Büchern des Literaturverzeichnisses auch angegeben werden: Aichhorn, Verwahrloste Jugend; Federn-Meng, Psychoanalytisches Volksbuch; Freud, Vorlesungen; Pfister, Die Behandlung schwererziehbarer und abnormer Kinder).
Döring sagt im Vorwort zu diesem Band, daß bisher die Charakterkunde stiefmütterlich behandelt worden ist. Die Lücke sucht also auch der Beitrag über das auffällige Kind auszufüllen. Als schließlicher Zweck wird dabei angegeben, daß man hofft, 1) auf die Erziehungsarbeit segensreich einwirken zu können, 2) zu verfeinerten und tieferen Erkenntnissen zu kommen, die die Charakterkunde des Kindes bereichern können. Wir werden von einem vorwiegend kritischen Gesichtspunkt aus zu prüfen haben, inwiefern die Arbeit dieser Zielsetzung gerecht wird.
Zunächst betrachten wir das Mittel, mit dem das gesteckte Ziel erreicht werden soll: der Ermittlungsbogen. Er soll das Hilfsmittel sein, Anregungen für die Behandlung und richtige Beschulung schwer zu erziehender Kinder zu geben. Dabei wird ein psychologisches Hauptproblem formuliert: Analyse und Fixierung all der seelischen Erscheinungen, die an anormalen Kindern irgendeiner Art festgestellt werden können.
Der Ermittlungsbogen ist kein Fragebogen, sondern ein Antwortbogen. Man hält es für einen besonderen Fortschritt