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Die Stellung des Schularztes, die wachsende Bedeutung und Würdigung seines Amtes, die Erkenntnis seiner Unentbehrlichkeit sind das Ergebnis einer Entwicklung von drei Jahrzehnten. Aber mit der Einsicht von seiner Unentbehrlichkeit wird auch die immer klarer, daß für seine Aufgaben nur Persönlichkeiten von besonderen Gaben ausreichen. Der Schularzt muß nicht nur ein kenntnisreicher Arzt von reicher Erfahrung sein, sondern auch Hygieniker, er muß Fragen der Erziehung nicht bloß lebendiges Interesse entgegenbringen, sondern auch Fachwissen, die Psychologie des Kindes, des Jugendlichen, des Erwachsenen muß ihm vertraut sein, er muß soziale Zusammenhänge und Bedingtheiten durchschauen, und nicht zuletzt muß er in hohem Maße Menschenkenner sein, denn er hat Schüler, Lehrer, Eltern nicht nur in ihren Handlungen zu verstehen, sondern überdies auf sie auch mit Erfolg zu wirken. Das ist dem erfahrenen Beobachter auf diesem Gebiete schon lange klar und Altschul, Fischer, Major, Oebbecke haben dieser Überzeugung sehr beredten Ausdruck geliehen. Daß aber gerade die Vertiefung in die Psychoanalyse uns besonders wertvolles Rüstzeug zur Menschenkenntnis und Menschenbehandlung bietet, lehrt die tägliche Erfahrung, und wenn diese Künste sonst nur als Früchte einer besonderen Begabung geübt wurden, so wandelt sich ihre Übung im Lichte der Freudschen Forschungen zur Wissenschaft, fast möchte ich sagen, zur Fertigkeit. Wenn wir also auch noch nicht fordern können, jeder Schularzt müsse psychoanalytisch geschult oder gar selbst analysiert sein, so doch, daß ihm die psychoanalytischen Einsichten vertraut seien, und wir tun dies im bewußten Gegensatze zu W. Stern, der noch im Jahre 1913 auf dem Deutschen Kongresse für Jugendbildung und Jugendkunde die Ansprüche der Psychoanalyse entrüstet zurückwies. Die Erfahrung wird gegen die Entrüstung recht behalten. Im folgenden soll versucht werden, aufzuzeigen, auf welchen Gebieten der Schularzt seiner psychoanalytischen Kenntnisse froh werden wird